8. Kapitel. Verschiedenheit der Profitraten usw. | Inhalt | 10. Kapitel. Konkurrenz, Marktpreise und Marktwerte usw.

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 25, "Das Kapital", Bd. III, Zweiter Abschnitt, S. 164 - 181
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1983

NEUNTES KAPITEL
Bildung einer allgemeinen Profitrate
(Durchschnittsprofitrate)
und Verwandlung der Warenwerte in
Produktionspreise

<164> Die organische Zusammensetzung des Kapitals hängt in jedem aktuellen Moment von zwei Umständen ab: erstens vom technischen Verhältnis der angewandten Arbeitskraft zur Masse der angewandten Produktionsmittel; zweitens vom Preis dieser Produktionsmittel. Sie muß, wie wir gesehn, nach ihrem Prozentverhältnis betrachtet werden. Die organische Zusammensetzung eines Kapitals, das aus 4/5 konstantem und 1/5 variablem Kapital besteht, drücken wir aus durch die Formel 80c + 20v. Ferner wird bei der Vergleichung eine unveränderliche Rate des Mehrwerts angenommen, und zwar eine irgend beliebige Rate, z.B. 100%. Das Kapital von 80c + 20v wirft also einen Mehrwert von 20m ab, was auf das Gesamtkapital eine Profitrate von 20% bildet. Wie groß nun der wirkliche Wert seines Produkts, hängt davon ab, wie groß der fixe Teil des konstanten Kapitals und wieviel davon als Verschleiß in das Produkt eingeht, wieviel nicht. Da dieser Umstand aber völlig gleichgültig für die Profitrate und also für die vorliegende Untersuchung, wird der Vereinfachung halber angenommen, daß das konstante Kapital überall gleichmäßig ganz in das jährliche Produkt dieser Kapitale eingeht. Es wird ferner angenommen, daß die Kapitale in den verschiednen Produktionssphären, im Verhältnis zur Größe ihres variablen Teils, jährlich gleich viel Mehrwert realisieren; es wird also vorläufig abgesehn von dem Unterschied, den die Verschiedenheit der Umschlagszeiten in dieser Beziehung hervorbringen kann. Dieser Punkt wird später behandelt.

Nehmen wir fünf verschiedne Produktionssphären mit jedesmal verschiedner organischer Zusammensetzung der in ihnen angelegten Kapitale, etwa wie folgt:

<165>

Kapitale

Mehrwertsrate

Mehrwert

Produktwert

Profitrate

I.

80c + 20v

100%

20

120

20%

II.

70c + 30v

100%

30

130

30%

III.

60c + 40v

100%

40

140

40%

IV.

85c + 15v

100%

15

115

15%

V.

95c + 5v

100%

5

105

5%

Wir haben hier für verschiedne Produktionssphären bei gleichmäßiger Exploitation der Arbeit sehr verschiedne Profitraten, entsprechend der verschiednen organischen Zusammensetzung der Kapitale.

Die Gesamtsumme der in den fünf Sphären angelegten Kapitale ist = 500; die Gesamtsumme des von ihnen produzierten Mehrwerts = 110; der Gesamtwert der von ihnen produzierten Waren = 610. Betrachten wir die 500 als ein einziges Kapital, von dem I-V nur verschiedne Teile bilden (wie etwa in einer Baumwollfabrik in den verschiednen Abteilungen, im Kardierraum, Vorspinnraum, Spinnsaal und Websaal, verschiednes Verhältnis von variablem und konstantem Kapital existiert und das Durchschnittsverhältnis für die ganze Fabrik erst berechnet werden muß), so wäre erstens die Durchschnittszusammensetzung des Kapitals von 500 = 390c + 110v oder prozentig 78c + 22v. Jedes der Kapitale von 100 nur als 1/5 des Gesamtkapitals betrachtet, wäre seine Zusammensetzung diese durchschnittliche von 78c + 22v; ebenso fielen auf jedes 100 als durchschnittlicher Mehrwert 22; daher wäre die Durchschnittsrate des Profits = 22%. und endlich wäre der Preis von jedem Fünftel des von den 500 produzierten Gesamtprodukts = 122. Das Produkt von jedem Fünftel des vorgeschoßnen Gesamtkapitals müßte also zu 122 verkauft werden.

Es ist jedoch, um nicht zu ganz falschen Schlüssen zu kommen, nötig, nicht alle Kostpreise = 100 anzurechnen.

Bei 80c + 20v und Mehrwertsrate = 100% wäre der Totalwert der vom Kapital I = 100 produzierten Ware = 80c + 20v + 20m = 120, wenn das gesamte konstante Kapital in das jährliche Produkt einginge. Nun kann dies wohl unter Umständen in gewissen Produktionssphären der Fall sein. Schwerlich jedoch da, wo das Verhältnis c : v = 4 : 1. Es ist also bei den Werten der Waren, die von je 100 der verschiednen Kapitale produziert werden, zu erwägen, daß sie verschieden sein werden je nach der verschiednen Zusammensetzung von c aus fixen und zirkulierenden Bestandteilen und daß die fixen Bestandteile verschiedner Kapitale selbst wieder rascher oder langsamer verschleißen, also in gleichen Zeiten ungleiche Wertquanta dem Produkt zusetzen. Für die Profitrate ist dies aber gleichgültig. Ob die <166> 80, den Wert von 80 oder 50 oder 5 an das Jahresprodukt abgeben, ob also das jährliche Produkt = 80c + 20v + 20m = 120, oder 50c + 20v + 20m = 90, oder = 5c + 20v + 20m = 45 ist, in allen diesen Fällen ist der Überschuß des Werts des Produkts über seinen Kostpreis = 20, und in allen diesen Fällen werden, bei Feststellung der Profitrate, diese 20 auf ein Kapital von 100 berechnet; die Profitrate des Kapital ist also in allen Fällen = 20%. Um dies noch deutlicher zu machen, lassen wir in der folgenden Tabelle für dieselben fünf Kapitale, wie oben, verschiedne Teile des konstanten Kapitals in den Wert des Produkts eingehn.

Kapitale

Mehrwerts-
rate

Mehrwert

Profitrate

Verbrauch-
tes c

Wert der Waren

Kost-
Preis

I.

80c + 20v

100%

20

20%

50

90

70

II.

70c + 30v

100%

30

30%

51

111

81

III.

60c + 40v

100%

40

40%

51

131

91

IV.

85c + 15v

100%

15

15%

40

70

55

V

95c + 5v

100%

5

5%

10

20

15

390c + 110v

-

110

-

-

-

-

Summa

78c + 22v

-

22

22%

-

-

-

Durchschnitt

Betrachtet man die Kapitale I-V wieder als ein einziges Gesamtkapital, so sieht man, daß auch in diesem Fall die Zusammensetzung der Summen der fünf Kapitale = 500 = 390c + 110v, also die Durchschnittszusammensetzung = 78c + 22v dieselbe bleibt; ebenso der Durchschnittsmehrwert 22 <1. Auflage: 22%; geändert nach dem Manuskript von Marx >. Diesen Mehrwert gleichmäßig auf I-V verteilt, kämen folgende Warenpreise heraus:

Kapitale

Mehrwert

Wert der Waren

Kostpreis der Waren

Preis der Waren

Profitrate

Abweichung des Preises vom Wert

I.

80c + 20v

20

90

70

92

22%

+ 2

II.

70c + 30v

30

111

81

103

22%

- 8

III.

60c + 40v

40

131

91

113

22%

- 18

IV.

85c + 15v

15

70*

55

77

22%

+ 7

V

95c + 5v

5

20

15

37

22%

+ 17

<* 1. Auflage: 40; geändert nach dem Manuskript von Marx>

Zusammengenommen werden die Waren verkauft 2 + 7 + 17 = 26 über und 8 + 18 = 26 unter dem Wert, so daß die Preisabweichungen durch <167> gleichmäßige Verteilung des Mehrwerts oder durch Zuschlag des durchschnittlichen Profits von 22 auf 100 vorgeschoßnes Kapital zu den respektiven Kostpreisen der Waren I-V sich gegenseitig aufheben; in demselben Verhältnis, worin ein Teil der Waren über, wird ein andrer unter seinem Wert verkauft. Und nur ihr Verkauf zu solchen Preisen ermöglicht, daß die Profitrate für I-V gleichmäßig ist, 22%, ohne Rücksicht auf die verschiedne organische Komposition der Kapitale I-V. Die Preise, die dadurch entstehn, daß der Durchschnitt der verschiednen Profitraten der verschiednen Produktionssphären gezogen und dieser Durchschnitt den Kostpreisen der verschiednen Produktionssphären zugesetzt wird, sind die Produktionspreise. Ihre Voraussetzung ist die Existenz einer allgemeinen Profitrate, und diese setzt wiederum voraus, daß die Profitraten in jeder besondren Produktionssphäre für sich genommen, bereits auf ebensoviel Durchschnittsraten reduziert sind. Diese besondren Profitraten sind in jeder Produktionssphäre = m/C, und sind, wie dies im ersten Abschnitt dieses Buchs geschehn, aus dem Wert der Ware zu entwickeln. Ohne diese Entwicklung bleibt die allgemeine Profitrate (und daher auch der Produktionspreis der Ware) eine sinn- und begriffslose Vorstellung. Der Produktionspreis der Ware ist also gleich ihrem Kostpreis plus dem, entsprechend der allgemeinen Profitrate, prozentig ihm zugesetzten Profit oder gleich ihrem Kostpreis plus dem Durchschnittsprofit.

Infolge der verschiednen organischen Zusammensetzung der in verschiednen Produktionszweigen angelegten Kapitale; infolge daher des Umstandes, daß je nach dem verschiednen Prozentsatz, den der variable Teil in einem Gesamtkapital von gegebner Größe hat, sehr verschiedne Quanta Arbeit von Kapitalen gleicher Größe in Bewegung gesetzt werden, werden auch sehr verschiedne Quanta Mehrarbeit von ihnen angeeignet oder sehr verschiedne Massen Mehrwert von ihnen produziert. Demgemäß sind die Profitraten, die in verschiednen Produktionszweigen herrschen, ursprünglich sehr verschieden. Diese verschiednen Profitraten werden durch die Konkurrenz zu einer allgemeinen Profitrate ausgeglichen, welche der Durchschnitt aller dieser verschiednen Profitraten ist. Der Profit, der entsprechend dieser allgemeinen Profitrate auf ein Kapital von gegebner Größe fällt, welches immer seine organische Zusammensetzung, heißt der Durchschnittsprofit. Der Preis einer Ware, welcher gleich ist ihrem Kostpreis plus dem im Verhältnis ihrer Umschlagsbedingungen auf sie fallenden Teil des jährlichen Durchschnittsprofits auf das in ihrer Produktion angewandte (nicht bloß das in ihrer Produktion konsumierte) Kapital, ist ihr Produk- <168 > tionspreis. Nehmen wir z.B. ein Kapital von 500, davon 100 fixes Kapital, wovon 10% Verschleiß während einer Umschlagsperiode des zirkulierenden Kapitals von 400. Der Durchschnittsprofit für die Dauer dieser Umschlagsperiode sei 10%. Dann wird der Kostpreis des während dieses Umschlags hergestellten Produkts sein: 10c für Verschleiß plus 400 (c + v) zirkulierendes Kapital = 410, und ihr Produktionspreis: 410 Kostpreis plus (10% Profit auf 500) 50 = 460.

Obgleich daher die Kapitalisten der verschiednen Produktionssphären beim Verkauf ihrer Waren die in der Produktion dieser Waren verbrauchten Kapitalwerte zurückziehn, so lösen sie nicht den in ihrer eignen Sphäre bei der Produktion dieser Waren produzierten Mehrwert und daher Profit ein, sondern nur so viel Mehrwert und daher Profit, als vom Gesamtmehrwert oder Gesamtprofit, der vom Gesamtkapital der Gesellschaft in allen Produktionssphären zusammengenommen, in einem gegebnen Zeitabschnitt produziert wird, bei gleicher Verteilung auf jeden aliquoten Teil des Gesamtkapitals fällt. Pro 100 zieht jedes vorgeschoßne Kapital, welches immer seine Zusammensetzung, in jedem Jahr oder andern Zeitabschnitt den Profit, der für diesen Zeitabschnitt auf 100 als den sovielsten Teil des Gesamtkapitals kommt. Die verschiednen Kapitalisten verhalten sich hier, soweit der Profit in Betracht kommt, als bloße Aktionäre einer Aktiengesellschaft, worin die Anteile am Profit gleichmäßig pro 100 verteilt werden und daher für die verschiednen Kapitalisten sich nur unterscheiden nach der Größe des von jedem in das Gesamtunternehmen gesteckten Kapitals, nach seiner verhältnismäßigen Beteiligung am Gesamtunternehmen, nach der Zahl seiner Aktien. Während sich also der Teil dieses Warenpreises, der die in der Produktion der Waren verzehrten Wertteile des Kapitals ersetzt und mit dem daher diese verzehrten Kapitalwerte rückgekauft werden müssen, während dieser Teil, der Kostpreis, sich ganz nach der Auslage innerhalb der respektiven Produktionssphären richtet, richtet sich der andre Bestandteil des Warenpreises, der auf diesen Kostpreis zugeschlagne Profit, nicht nach der Masse Profit, die von diesem bestimmten Kapital in dieser bestimmten Produktionssphäre während einer gegebnen Zeit produziert wird, sondern nach der Masse Profit, die auf jedes angewandte Kapital, als aliquoten Teil des in der Gesamtproduktion angewandten gesellschaftlichen Gesamtkapitals, während eines gegebnen Zeitraums im Durchschnitt fällt.(22)

Wenn ein Kapitalist also seine Ware zu ihrem Produktionspreis ver- <169> kauft, so zieht er Geld zurück im Verhältnis zur Wertgröße des in der Produktion von ihm verzehrten Kapitals und schlägt Profit heraus im Verhältnis zu seinem vorgeschoßnen Kapital als bloßem aliquoten Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Seine Kostpreise sind spezifisch. Der Profitzuschlag auf diesen Kostpreis ist unabhängig von seiner besondren Produktionssphäre, ist einfacher Durchschnitt pro 100 des vorgeschoßnen Kapitals.

Unterstellen wir, die fünf verschiednen Kapitalanlagen I-V im vorigen Beispiel gehörten einem Mann. Wieviel in jeder einzelnen Anlage von I-V auf je 100 des angewandten Kapitals an variablem und konstantem Kapital konsumiert würde in der Produktion der Waren, wäre gegeben, und dieser Wertteil der Waren I -V würde selbstredend einen Teil ihres Preises bilden, da mindestens dieser Preis erheischt ist zum Ersatz des vorgeschoßnen und konsumierten Kapitalteils. Diese Kostpreise wären also für jede Warengattung von I-V verschieden und würden als solche von dem Besitzer verschieden fixiert werden. Was aber die in I-V produzierten verschiednen Massen von Mehrwert oder Profit beträfe, so könnte der Kapitalist sie sehr gut als Profit seines vorgeschoßnen Gesamtkapitals rechnen, so daß auf je 100 Kapital ein bestimmter aliquoter Teil fiele. Verschieden also wären bei den in den einzelnen Anlagen I-V produzierten Waren die Kostpreise; aber gleich bei allen diesen Waren wäre der Teil des Verkaufspreises, der aus dem zugesetzten Profit von je 100 Kapital käme. Der Gesamtpreis der Waren I-V wäre also gleich ihrem Gesamtwert, d.h. gleich Summe der Kostpreise I-V plus Summe des in I-V produzierten Mehrwerts oder Profits; in der Tat also Geldausdruck für das Gesamtquantum Arbeit, vergangner und neu zugesetzter, enthalten in den Waren I-V. Und in dieser Weise ist in der Gesellschaft selbst - die Totalität aller Produktionszweige betrachtet - die Summe der Produktionspreise der produzierten Waren gleich der Summe ihrer Werte.

Diesem Satz scheint die Tatsache zu widersprechen, daß in der kapitalistischen Produktion die Elemente des produktiven Kapitals in der Regel auf dem Markt gekauft sind, ihre Preise also einen bereits realisierten Profit enthalten und hiernach der Produktionspreis eines Industriezweigs samt dem in ihm enthaltnen Profit, daß also der Profit des einen Industriezweigs in den Kostpreis des andern eingeht. Aber wenn wir die Summe der Kostpreise der Waren des ganzen Landes auf die eine Seite und die Summe seiner Profite oder Mehrwerte auf die andre stellen, so ist klar, daß die Rechnung sich richtig stellen muß. Z.B. nehmen wir eine Ware A; ihr Kostpreis mag die Profite von B, C, D eingeschlossen enthalten, wie bei B, C, D etc. wieder die Profite von A in ihre Kostpreise eingehn mögen. <170> Stellen wir also die Rechnung auf, so fehlt der Profit von A in seinem eignen Kostpreis und ebenso fehlen die Profite von B, C, D etc. in ihren eignen Kostpreisen. Keiner rechnet seinen eignen Profit in seinen Kostpreis ein. Gibt es also z.B. n Sphären der Produktion und wird in jeder ein Profit gleich p gemacht, so ist in allen zusammen der Kostpreis = k - np. Die Gesamtrechnung betrachtet, soweit die Profite einer Produktionssphäre eingehn in den Kostpreis der andren, soweit sind also diese Profite bereits in Rechnung gebracht für den Gesamtpreis des schließlichen Endprodukts und können nicht zum zweitenmal auf der Profitseite erscheinen. Erscheinen sie aber auf dieser Seite, so nur, weil die Ware selbst Endprodukt war, ihr Produktionspreis also nicht in den Kostpreis einer andern Ware eingeht.

Wenn in den Kostpreis einer Ware eine Summe eingeht = p für die Profite der Produzenten der Produktionsmittel und auf diesen Kostpreis ein Profit geschlagen wird = p1; so ist der Gesamtprofit P = p + p1. Der Gesamtkostpreis der Ware, abstrahiert von allen für Profit eingehenden Preisteilen, ist dann ihr eigner Kostpreis minus P. Heißt dieser Kostpreis k, so ist offenbar k + P = k + p + p1. Man hat bei Behandlung des Mehrwerts in Buch I, Kap. VII, 2, S. 211/203 <Siehe Band 23, S. 236> gesehn, daß das Produkt jedes Kapitals so behandelt werden kann, als ob ein Teil bloß Kapital ersetzt, der andre nur Mehrwert ausdrückt. Diese Berechnung auf das Gesamtprodukt der Gesellschaft angewandt, finden Rektifikationen statt, indem, die ganze Gesellschaft betrachtet, z.B. der im Preis des Flachses enthaltne Profit nicht zweimal figurieren kann, nicht als Teil zugleich des Preises der Leinwand und des Profits des Flachsproduzenten.

Es findet insofern kein Unterschied statt zwischen Profit und Mehrwert, als z.B. der Mehrwert von A in das konstante Kapital von B eingeht. Für den Wert der Waren ist es ja völlig gleichgültig, ob die in ihnen enthaltne Arbeit aus bezahlter oder unbezahlter Arbeit besteht. Dies zeigt nur, daß B den Mehrwert von A zahlt. In der Gesamtrechnung kann der Mehrwert von A nicht zweimal zählen.

Aber der Unterschied ist der: Außer daß der Preis des Produkts z.B. von Kapital B abweicht von seinem Wert, weil der in B realisierte Mehrwert größer oder kleiner sein mag als der im Preis der Produkte von B zugeschlagne Profit, so gilt auch derselbe Umstand wieder für die Waren, die den konstanten Teil des Kapitals B, und indirekt, als Lebensmittel der Arbeiter, auch seinen variablen Teil bilden. Was den konstanten Teil <171> betrifft, so ist er selbst gleich Kostpreis plus Mehrwert, also jetzt gleich Kostpreis plus Profit, und dieser Profit kann wieder größer oder kleiner sein als der Mehrwert, an dessen Stelle er steht. Was das variable Kapital angeht, so ist der durchschnittliche tägliche Arbeitslohn zwar stets gleich dem Wertprodukt der Stundenzahl, die der Arbeiter arbeiten muß, um die notwendigen Lebensmittel zu produzieren; aber diese Stundenzahl ist selbst wieder verfälscht durch die Abweichung der Produktionspreise der notwendigen Lebensmittel von ihren Werten. Indes löst sich dies immer dahin auf, daß, was in der einen Ware zuviel, in der andren zuwenig für Mehrwert eingeht, und daß daher auch die Abweichungen vom Wert, die in den Produktionspreisen der Waren stecken, sich gegeneinander aufheben. Es ist überhaupt bei der ganzen kapitalistischen Produktion immer nur in einer sehr verwickelten und annähernden Weise, als nie festzustellender Durchschnitt ewiger Schwankungen, daß sich das allgemeine Gesetz als die beherrschende Tendenz durchsetzt.

Da die allgemeine Profitrate gebildet wird durch den Durchschnitt der verschiednen Profitraten auf je 100 vom vorgeschoßnen Kapital in einem bestimmten Zeitraum, sage einem Jahr, so ist darin auch der durch den Unterschied der Umschlagszeiten für verschiedne Kapitale hervorgebrachte Unterschied ausgelöscht. Aber diese Unterschiede gehn bestimmend ein in die verschiednen Profitraten der verschiednen Produktionssphären, durch deren Durchschnitt die allgemeine Profitrate gebildet wird.

Es ist bei der vorigen Illustration zur Bildung der allgemeinen Profitrate jedes Kapital in jeder Produktionssphäre = 100 angesetzt, und zwar ist dies geschehn, um den prozentigen Unterschied der Profitrate klarzumachen und daher auch den Unterschied in den Werten der Waren, die von gleich großen Kapitalen produziert werden. Aber es versteht sich: die wirklichen Massen des Mehrwerts, die in jeder besondren Produktionssphäre erzeugt werden, hängen, da in jeder solchen gegebnen Produktionssphäre die Zusammensetzung des Kapitals gegeben ist, von der Größe der angewandten Kapitale ab. Indes, die besondre Profitrate einer einzelnen Produktionssphäre wird nicht davon berührt, ob ein Kapital von 100, m * 100 oder xm * 100 angewandt wird. Die Profitrate bleibt 10%, ob der Gesamtprofit 10 :100 oder 1.000 : 10.000 beträgt.

Da aber die Profitraten in den verschiednen Produktionssphären verschieden sind, indem in denselben, je nach dem Verhältnis des variablen Kapitals zum Gesamtkapital, sehr verschiedne Massen Mehrwert und daher Profit produziert werden, so ist klar, daß der Durchschnittsprofit pro 100 des gesellschaftlichen Kapitals und daher die Durchschnittsprofitrate <172> oder allgemeinen Profitrate sehr verschieden sein wird, je nach den respektiven Größen der in den verschiednen Sphären angelegten Kapitale. Nehmen wir vier Kapitale A, B, C, D. Die Mehrwertsrate sei für alle = 100%. Auf jede 100 vom Gesamtkapital sei das variable Kapital für A = 25, für B = 40, für C = 15, für D = 10. Auf jede 100 vom Gesamtkapital fiele dann ein Mehrwert oder Profit von A = 25, B = 40, C = 15, D = 10; zusammen = 90, also, wenn die vier Kapitale gleich groß sind, Durchschnittsprofitrate 90/4 = 221/2%.

Wenn aber die Gesamtkapitalgrößen sind wie folgt: A = 200, B =300, C = 1.000, D = 4.000, so würden die produzierten Profite sein resp. 50, 120, 150 und 400. Zusammen auf 5.500 Kapital ein Profit von 720 oder eine Durchschnittsprofitrate von 131/11%.

Die Massen des produzierten Gesamtwerts sind verschieden je nach den verschiednen Größen der in A, B, C, D respektive vorgeschoßnen Gesamtkapitale. Bei Bildung der allgemeinen Profitrate handelt es sich daher nicht nur um den Unterschied der Profitraten in den verschiednen Produktionssphären, deren einfacher Durchschnitt zu ziehn wäre, sondern um das relative Gewicht, womit diese verschiednen Profitraten in die Bildung des Durchschnitts eingehn. Dies aber hängt ab von der verhältnismäßigen Größe des in jeder besondren Sphäre angelegten Kapitals oder davon, welchen aliquoten Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals das in jeder besondren Produktionssphäre angelegte Kapital bildet. Es muß natürlich ein sehr großer Unterschied stattfinden, je nachdem ein größrer oder geringrer Teil des Gesamtkapitals eine höhere oder niedere Profitrate abwirft. Und diese hängt wieder davon ab, wieviel Kapital in den Sphären angelegt ist, wo das variable Kapital relativ zum Gesamtkapital groß oder klein ist. Es ist ganz damit wie mit dem Durchschnittszinsfuß, den ein Wucherer macht, der verschiedne Kapitalien zu verschiednen Zinsraten ausleiht, z.B. zu 4, 5, 6, 7% etc. Die Durchschnittsrate hängt ganz davon ab, wieviel von seinem Kapital er zu jeder der verschiednen Zinsraten ausgeliehen hat.

Die allgemeine Profitrate ist also durch zwei Faktoren bestimmt:

1. durch die organische Zusammensetzung der Kapitale in den verschiednen Sphären der Produktion, also durch die verschiednen Profitraten der einzelnen Sphären;

2. durch die Verteilung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals auf diese verschiednen Sphären, also durch die relative Größe des in jeder besondren Sphäre, und daher zu einer besondren Profitrate, angelegten Kapitals; d.h. durch den verhältnismäßigen Massenanteil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, den jede besondre Produktionssphäre verschluckt.

<173> Wir hatten es in Buch I und II nur mit den Werten der Waren zu tun. Einerseits hat sich jetzt abgesondert als ein Teil dieses Werts der Kostpreis, andrerseits hat sich entwickelt als eine verwandelte Form des Werts der Produktionspreis der Ware.

Gesetzt, die Zusammensetzung des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals sei 80c + 20v und die Rate des jährlichen Mehrwerts m = 100%, so wäre der jährliche Durchschnittsprofit für ein Kapital von 100 = 20 und die allgemeine jährliche Profitrate = 20%. Welches nun immer der Kostpreis k der von einem Kapital von 100 jährlich produzierten Waren, ihr Produktionspreis wäre = k + 20. In den Produktionssphären, wo die Zusammensetzung des Kapitals = (80 - x)c + (20 + x)v, wäre der wirklich erzeugte Mehrwert, resp. der innerhalb dieser Sphäre produzierte jährliche Profit, = 20 + x, also größer als 20, und der produzierte Warenwert = k + 20 + x, größer als k + 20 oder größer als ihr Produktionspreis. In den Sphären, wo die Zusammensetzung des Kapitals (80 + x)c + (20 - x)v, wäre der jährlich erzeugte Mehrwert oder Profit = 20 - x, also kleiner als 20, und daher der Warenwert k + 20 - x kleiner als der Produktionspreis, der = k + 20. Abgesehn von etwaigen Unterschieden in der Umschlagszeit, wäre der Produktionspreis der Waren gleich mit ihrem Wert nur in den Sphären, wo die Zusammensetzung des Kapitals zufällig = 80c + 20v wäre.

Die spezifische Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit ist in jeder besondren Produktionssphäre dem Grade nach verschieden, höher oder niedriger, im Verhältnis wie das von einem bestimmten Quantum Arbeit, also bei gegebnem Arbeitstag von einer bestimmten Anzahl Arbeiter, in Bewegung gesetzte Quantum von Produktionsmitteln groß und daher das für ein bestimmtes Quantum Produktionsmittel erheischte Quantum Arbeit klein ist. Wir nennen daher Kapitale, die prozentig mehr konstantes, also weniger variables Kapital enthalten als das gesellschaftliche Durchschnittskapital: Kapitale von höherer Zusammensetzung. Umgekehrt solche, wo das konstante Kapital einen relativ kleinem und das variable einen größern Raum einnimmt, als beim gesellschaftlichen Durchschnittskapital, nennen wir: Kapitale von niedrigerer Zusammensetzung. Kapitale von durchschnittlicher Zusammensetzung endlich nennen wir solche, deren Zusammensetzung mit der des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals zusammenfällt. Ist das gesellschaftliche Durchschnittskapital prozentig zusammengesetzt aus 80c + 20v, so steht ein Kapital von 90c + 10v über, eins von 70c + 30v unter dem gesellschaftlichen Durchschnitt. Allgemein, bei Zusammensetzung des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals = mc + nv, wo m und n konstante Größen und m + n = 100, <174> repräsentiert (m + x)c + (n - x)v die höhere, (m - x)c + (n + x)v die niedrigere Zusammensetzung eines einzelnen Kapitals oder einer Kapitalgruppe. Wie diese Kapitale fungieren nach Herstellung der Durchschnittsprofitrate, unter Voraussetzung einmaligen Umschlags im Jahr, zeigt folgende Übersicht, worin I die Durchschnittszusammensetzung vorstellt und die Durchschnittsprofitrate somit = 20% ist:

I.

80c + 20v + 20m. Profitrate = 20%.

Preis des Produkts = 120. Wert = 120.

II.

90c + 10v + 10m. Profitrate = 20%.

Preis des Produkts =120. Wert = 110.

III.

70c + 30v + 30m. Profitrate = 20%.

Preis des Produkts =120. Wert = 130.

Für die von Kapital II produzierten Waren wäre also ihr Wert kleiner als ihr Produktionspreis, für die des Kapital III der Produktionspreis kleiner als der Wert, und nur für die Kapitale I der Produktionszweige, deren Zusammensetzung zufällig die des gesellschaftlichen Durchschnitts ist, wären Wert und Produktionspreis gleich. Übrigens muß bei Anwendung dieser Bezeichnungen auf bestimmte Fälle natürlich in Rechnung gebracht werden, wie weit etwa nicht ein Unterschied in der technischen Zusammensetzung, sondern bloßer Wertwechsel der Elemente des konstanten Kapitals das Verhältnis zwischen c und v vom allgemeinen Durchschnitt abweichen macht.

Es ist durch die jetzt gegebne Entwicklung allerdings eine Modifikation eingetreten bezüglich der Bestimmung des Kostpreises der Waren. Ursprünglich wurde angenommen, daß der Kostpreis einer Ware gleich sei dem Wert der in ihrer Produktion konsumierten Waren. Der Produktionspreis einer Ware ist aber für den Käufer derselben ihr Kostpreis und kann somit als Kostpreis in die Preisbildung einer andren Ware eingehn. Da der Produktionspreis abweichen kann vom Wert der Ware, so kann auch der Kostpreis einer Ware, worin dieser Produktionspreis andrer Ware eingeschlossen, über oder unter dem Teil ihres Gesamtwerts stehn, der durch den Wert der in sie eingehenden Produktionsmittel gebildet wird. Es ist nötig, sich an diese modifizierte Bedeutung des Kostpreises zu erinnern und sich daher zu erinnern, daß, wenn in einer besondren Produktionssphäre der Kostpreis der Ware dem Wert der in ihrer Produktion verbrauchten Produktionsmittel gleichgesetzt wird, stets ein Irrtum möglich ist. Für unsre gegenwärtige Untersuchung ist nicht nötig, näher auf diesen Punkt einzugehn. Dabei bleibt immer der Satz richtig, daß der Kostpreis der Waren stets kleiner als ihr Wert. Denn wie auch der Kostpreis der Ware <175> von dem Wert der in ihr konsumierten Produktionsmittel abweichen mag, für den Kapitalisten ist dieser vergangne Irrtum gleichgültig. Der Kostpreis der Ware ist ein gegebner, ist eine von seiner, des Kapitalisten, Produktion unabhängige Voraussetzung, während das Resultat seiner Produktion eine Ware ist, die Mehrwert enthält, also einen Wertüberschuß über ihren Kostpreis. Sonst hat der Satz, daß der Kostpreis kleiner ist als der Wert der Ware, sich jetzt praktisch in den Satz verwandelt, daß der Kostpreis kleiner ist als der Produktionspreis. Für das gesellschaftliche Gesamtkapital, wo Produktionspreis gleich Wert, ist dieser Satz identisch mit dem frühern, daß der Kostpreis kleiner ist als der Wert. Obgleich er für die besondren Produktionssphären abweichenden Sinn hat, so bleibt ihm immer die Tatsache zugrunde liegen, daß, das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, der Kostpreis der von diesem produzierten Waren kleiner als der Wert oder der hier, für die Gesamtmasse der produzierten Waren, mit diesem Wert identische Produktionspreis. Der Kostpreis einer Ware bezieht sich nur auf das Quantum der in ihr enthaltnen bezahlten Arbeit, der Wert auf das Gesamtquantum der in ihr enthaltnen bezahlten und unbezahlten Arbeit; der Produktionspreis auf die Summe der bezahlten Arbeit plus einem, für die besondre Produktionssphäre unabhängig von ihr selbst, bestimmten Quantum unbezahlter Arbeit.

Die Formel, daß der Produktionspreis einer Ware = k + p, gleich Kostpreis plus Profit ist, hat sich jetzt näher dahin bestimmt, daß p = kp ist (wo p die allgemeine Profitrate), und daher der Produktionspreis = k + kp. Ist k = 300 und p = 15%, so ist der Produktionspreis k + kp = 300 + 30015/100 = 345.

Der Produktionspreis der Waren in jeder besondren Produktionssphäre kann Größenwechsel erfahren:

1. bei gleichbleibendem Wert der Waren (so daß also nach wie vor dasselbe Quantum toter und lebendiger Arbeit in ihre Produktion eingeht) infolge eines von der besondren Sphäre unabhängigen Wechsels in der allgemeinen Profitrate;

2. bei gleichbleibender allgemeiner Profitrate durch Wertwechsel, sei es in der besondren Produktionssphäre selbst, infolge technischer Änderung, sei es infolge eines Wertwechsels der Waren, die als Bildungselemente in ihr konstantes Kapital eingehn;

3. endlich durch Zusammenwirkung dieser beiden Umstände.

Trotz der großen Wechsel, die beständig - wie sich weiter zeigen wird - in den tatsächlichen Profitraten der besondren Produktionssphären vor- <176> gehn, ist eine wirkliche Änderung in der allgemeinen Profitrate, soweit nicht durch außerordentliche ökonomische Ereignisse ausnahmsweise ins Werk gesetzt, das sehr späte Werk einer Reihe über sehr lange Zeiträume sich erstreckender Schwingungen, d.h. von Schwingungen, die viel Zeit brauchen, bis sie sich zu einer Änderung der allgemeinen Profitrate konsolidieren und ausgleichen. Bei allen kürzern Perioden (ganz abgesehn von Schwankungen der Marktpreise) ist daher eine Änderung in den Produktionspreisen prima facie stets aus einem wirklichen Wertwechsel der Waren zu erklären, d.h. aus einem Wechsel in der Gesamtsumme der zu ihrer Produktion nötigen Arbeitszeit. Bloßer Wechsel im Geldausdruck derselben Werte kommt hier selbstredend gar nicht in Betracht.(23)

Es ist andrerseits klar: das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, ist die Wertsumme der von ihm produzierten Waren (oder in Geld ausgedrückt ihr Preis) = Wert des konstanten Kapitals + Wert des variablen Kapitals + Mehrwert. Den Exploitationsgrad der Arbeit als konstant angenommen, kann die Profitrate hier nur wechseln, bei gleichbleibender Masse des Mehrwerts, wenn entweder der Wert des konstanten Kapitals wechselt oder der Wert des variablen wechselt oder beide wechseln, so daß C sich ändert und dadurch m/C, die allgemeine Profitrate. In jedem Falle also unterstellt ein Wechsel in der allgemeinen Profitrate Wechsel im Wert der Waren, die als Bildungselemente in das konstante Kapital oder in das variable oder in beide gleichzeitig eingehn.

Oder die allgemeine Profitrate kann wechseln bei gleichbleibendem Wert der Waren, wenn der Exploitationsgrad der Arbeit wechselt.

Oder bei gleichbleibendem Exploitationsgrad der Arbeit kann die allgemeine Profitrate wechseln, wenn die Summe der angewandten Arbeit wechselt relativ zum konstanten Kapital, infolge technischer Änderungen im Arbeitsprozeß. Aber solche technischen Änderungen müssen sich stets zeigen in und daher begleitet sein von einem Wertwechsel der Waren, deren Produktion jetzt gegen früher mehr oder minder viel Arbeit erfordern würde.

Man hat im ersten Abschnitt gesehn: Mehrwert und Profit waren identisch, der Masse nach betrachtet. Die Profitrate jedoch ist von vornherein unterschieden von der Rate des Mehrwerts, was zunächst nur als andre Form der Berechnung erscheint; was aber ebenso von vornherein, da die Rate des Profits steigen oder fallen kann bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts und umgekehrt und da allein die Rate des Profits den Kapitali- <177> sten praktisch interessiert, durchaus den wirklichen Ursprung des Mehrwerts verdunkelt und mystifiziert. Ein Größenunterschied jedoch war nur zwischen Mehrwertsrate und Profitrate, nicht zwischen Mehrwert und Profit selbst. Da in der Profitrate der Mehrwert auf das Gesamtkapital berechnet und auf es als sein Maß bezogen wird, so erscheint der Mehrwert selbst dadurch als aus dem Gesamtkapital und zwar gleichmäßig aus allen seinen Teilen entsprungen, so daß der organische Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital im Begriff des Profits ausgelöscht ist; in der Tat daher, in dieser seiner verwandelten Gestalt als Profit, der Mehrwert selbst seinen Ursprung verleugnet, seinen Charakter verloren hat, unerkennbar geworden ist. Soweit jedoch bezog sich der Unterschied zwischen Profit und Mehrwert nur auf eine qualitative Änderung, einen Formwechsel, während wirklicher Größenunterschied auf dieser ersten Stufe der Verwandlung nur noch zwischen Profitrate und Mehrwertsrate, noch nicht zwischen Profit und Mehrwert existiert.

Anders verhält es sich, sobald eine allgemeine Profitrate und durch selbe ein der in den verschiednen Produktionssphären gegebnen Größe des angewandten Kapitals entsprechender Durchschnittsprofit hergestellt ist.

Es ist jetzt nur noch Zufall, wenn der in einer besondren Produktionssphäre wirklich erzeugte Mehrwert und daher Profit mit dem im Verkaufspreis der Ware enthaltnen Profit zusammenfällt. In der Regel sind Profit und Mehrwert, und nicht bloß ihre Raten, nun wirklich verschiedne Größen. Bei gegebnem Exploitationsgrad der Arbeit ist jetzt die Masse des Mehrwerts, die in einer besondren Produktionssphäre erzeugt wird, wichtiger für den Gesamtdurchschnittsprofit des gesellschaftlichen Kapitals, also für die Kapitalistenklasse überhaupt, als direkt für den Kapitalisten innerhalb jedes besondren Produktionszweigs. Für ihn nur (24), sofern das in seiner Branche erzeugte Quantum Mehrwert mitbestimmend eingreift in die Reglung des Durchschnittsprofits. Aber dies ist ein Prozeß, der hinter seinem Rücken vorgeht, den er nicht sieht, nicht versteht und der ihn in der Tat nicht interessiert. Der wirkliche Größenunterschied zwischen Profit und Mehrwert - nicht nur zwischen Profitrate und Mehrwertsrate - in den besondren Produktionssphären versteckt nun völlig die wahre Natur und den Ursprung des Profits, nicht nur für den Kapitalisten, der hier ein besondres Interesse hat, sich zu täuschen, sondern auch für den Arbeiter. Mit der Verwandlung der Werte in Produktionspreise wird die Grundlage <178> der Wertbestimmung selbst dem Auge entrückt. Endlich: Wenn bei der bloßen Verwandlung von Mehrwert in Profit der Wertteil der Waren, der den Profit bildet, dem andren Wertteil gegenübertritt als dem Kostpreis der Ware, so daß hier schon der Begriff des Werts dem Kapitalisten abhanden kommt, weil er nicht die Gesamtarbeit vor sich hat, die die Produktion der Ware kostet, sondern nur den Teil der Gesamtarbeit, den er in der Form von Produktionsmitteln, lebendigen oder toten, bezahlt hat, und ihm so der Profit als etwas außerhalb des immanenten Werts der Ware Stehendes erscheint - so wird jetzt diese Vorstellung vollständig bestätigt, befestigt, verknöchert, indem der zum Kostpreis zugeschlagne Profit in der Tat, wenn man die besondre Produktionssphäre betrachtet, nicht durch die Grenzen der in ihr selbst vorgehenden Wertbildung bestimmt, sondern ganz äußerlich dagegen festgesetzt ist.

Der Umstand, daß hier zum erstenmal dieser innere Zusammenhang enthüllt ist; daß, wie man aus dem Folgenden und aus Buch IV sehn wird, die bisherige Ökonomie entweder gewaltsam von den Unterschieden zwischen Mehrwert und Profit, Mehrwertsrate und Profitrate abstrahierte, um die Wertbestimmung als Grundlage festhalten zu können, oder aber mit dieser Wertbestimmung allen Grund und Boden wissenschaftlichen Verhaltens aufgab, um an jenen in der Erscheinung auffälligen Unterschieden festzuhalten - diese Verwirrung der Theoretiker zeigt am besten, wie der im Konkurrenzkampf befangne, seine Erscheinungen in keiner Art durchdringende praktische Kapitalist durchaus unfähig sein muß, durch den Schein hindurch das innere Wesen und die innere Gestalt dieses Prozesses zu erkennen.

Alle im ersten Abschnitt entwickelten Gesetze über Steigen und Fallen der Profitrate haben in der Tat die folgende doppelte Bedeutung:

1. Einerseits sind sie die Gesetze der allgemeinen Profitrate. Bei den vielen verschiednen Ursachen, welche nach dem Entwickelten die Profitrate steigen oder fallen machen, sollte man glauben, daß die allgemeine Profitrate jeden Tag wechseln müßte. Aber die Bewegung in einer Produktionssphäre wird die in der andern aufheben, die Einflüsse kreuzen und paralysieren sich. Wir werden später untersuchen, nach welcher Seite die Schwankungen in letzter Instanz hinstreben; aber sie sind langsam; die Plötzlichkeit, Vielseitigkeit und verschiedne Dauer der Schwankungen in den einzelnen Produktionssphären macht, daß sie sich zum Teil in ihrer Reihenfolge in der Zeit kompensieren, so daß Preisfall auf Preissteigerung folgt und umgekehrt, daß sie also lokal, d.h. auf die besondre Produktionssphäre beschränkt bleiben; endlich, daß die verschiednen lokalen Schwan- <179> kungen sich wechselseitig neutralisieren. Es finden innerhalb jeder besondren Produktionssphäre Wechsel statt, Abweichungen von der allgemeinen Profitrate, die sich einerseits in einem bestimmten Zeitraum ausgleichen und daher nicht auf die allgemeine Profitrate zurückwirken; und die andrerseits wieder nicht auf sie zurückwirken, weil sie durch andre gleichzeitige lokale Schwankungen aufgehoben werden. Da die allgemeine Profitrate bestimmt ist nicht nur durch die Durchschnittsprofitrate in jeder Sphäre, sondern auch durch die Verteilung des Gesamtkapitals auf die verschiednen besondren Sphären, und da diese Verteilung beständig wechselt, so ist dies wieder eine beständige Ursache des Wechsels in der allgemeinen Profitrate - aber eine Ursache des Wechsels, die wiederum, bei der Ununterbrochenheit <1. Auflage: Unterbrochenheit> und Allseitigkeit dieser Bewegung, großenteils sich selbst wieder paralysiert.

2. Innerhalb jeder Sphäre ist ein Spielraum gegeben für kürzere oder längere Epoche, wo die Profitrate dieser Sphäre schwankt, bevor sich dies Schwanken, nach Steigen oder Fallen, hinreichend konsolidiert, um Zeit zu gewinnen zur Einwirkung auf die allgemeine Profitrate und daher zur Erreichung von mehr als lokaler Bedeutung. Innerhalb solcher räumlichen und zeitlichen Grenzen gelten daher ebenfalls die im ersten Abschnitt dieses Buchs entwickelten Gesetze der Profitrate.

Die theoretische Ansicht - bei der ersten Verwandlung des Mehrwerts in Profit -, daß jeder Teil des Kapitals gleichmäßig Profit abwerfe (25), drückt eine praktische Tatsache aus. Wie immer das industrielle Kapital zusammengesetzt sei, ob es ein Viertel tote Arbeit und drei Viertel lebendige Arbeit oder drei Viertel tote Arbeit und ein Viertel lebendige Arbeit in Bewegung setzt, ob es in dem einen Fall dreimal soviel Mehrarbeit einsaugt oder Mehrwert produziert als in dem andren - bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit und abgesehn von individuellen Unterschieden, die ohnehin verschwinden, weil wir beide Male nur die Durchschnittszusammensetzung der ganzen Produktionssphäre vor uns haben -, in beiden Fällen wirft es gleich viel Profit ab. Der einzelne Kapitalist (oder auch die Gesamtheit der Kapitalisten in jeder besondren Produktionssphäre), dessen Blick borniert ist, glaubt mit Recht, daß sein Profit nicht allein aus der von ihm oder in seinem Zweig beschäftigten Arbeit herstamme. Es ist dies ganz richtig für seinen Durchschnittsprofit. Wieweit dieser Profit vermittelt ist <180> durch die Gesamtexploitation der Arbeit durch das Gesamtkapital, d.h. durch alle seine Kapitalistengenossen, dieser Zusammenhang ist ihm ein vollständiges Mysterium, um so mehr, als selbst die Bourgeoistheoretiker, die politischen Ökonomen, es bis jetzt nicht enthüllt hatten. Ersparung an Arbeit - nicht nur an der Arbeit, notwendig um ein bestimmtes Produkt zu produzieren, sondern auch an der Anzahl der beschäftigten Arbeiter - und größre Anwendung toter Arbeit (konstantes Kapital) erscheint als ökonomisch ganz richtige Operation und scheint von vornherein in keiner Weise die allgemeine Profitrate und den Durchschnittsprofit anzugreifen. Wie sollte daher die lebendige Arbeit ausschließliche Quelle des Profits sein, da Verminderung der zur Produktion nötigen Menge Arbeit nicht nur nicht den Profit anzugreifen scheint, sondern vielmehr unter gewissen Umständen als nächste Quelle zur Vermehrung des Profits erscheint, wenigstens für den einzelnen Kapitalisten?

Wenn in einer gegebnen Produktionssphäre der Teil des Kostpreises steigt oder fällt, der den Wert des konstanten Kapitals repräsentiert, so kommt dieser Teil aus der Zirkulation her und geht von vornherein vergrößert oder verkleinert in den Produktionsprozeß der Ware ein. Wenn andrerseits die angewandte Arbeiteranzahl in derselben Zeit mehr oder weniger produziert, also bei gleichbleibender Arbeiteranzahl das zur Produktion einer bestimmten Warenmenge erheischte Arbeitsquantum wechselt, so mag der Teil des Kostpreises, der den Wert des variablen Kapitals repräsentiert, derselbe bleiben, also mit gleicher Größe in den Kostpreis des Gesamtprodukts eingehn. Aber auf jede einzelne von den Waren, deren Summe das Gesamtprodukt ausmacht, fällt mehr oder weniger Arbeit (bezahlte und daher auch unbezahlte), also auch mehr oder weniger von der Ausgabe für diese Arbeit, größeres oder kleineres Stück des Lohns. Der vom Kapitalisten gezahlte Gesamtlohn bleibt derselbe, aber er ist ein andrer, auf jedes Stück Ware berechnet. Hier träte also Änderung ein in diesem Teil des Kostpreises der Ware. Ob nun der Kostpreis der einzelnen Ware infolge solcher Wertveränderungen, sei es in ihr selbst, sei es in ihren Warenelementen (oder auch der Kostpreis der Summe der von einem Kapital von gegebner Größe produzierten Waren) steigt oder fällt: ist der Durchschnittsprofit z.B. 10%, so bleibt er 10%; obgleich 10%, die einzelne Ware betrachtet, eine sehr verschiedne Größe darstellt, je nach dem, durch den vorausgesetzten Wertwechsel hervorgebrachten, Größenwechsel im Kostpreis der einzelnen Ware.(26)

<181> Mit Bezug auf das variable Kapital - und dies ist das wichtigste, weil es die Quelle des Mehrwerts und weil alles, was sein Verhältnis zur Bereicherung des Kapitalisten verdeckt, das ganze System mystifiziert - vergröbert sich die Sache oder erscheint sie dem Kapitalisten so: ein variables Kapital von 100 Pfd.St. stelle z.B. den Wochenlohn von 100 Arbeitern vor. Wenn diese 100, bei gegebnem Arbeitstag, ein wöchentliches Produkt von 200 Stück Waren produzieren = 200 W, so kostet 1 W - abstrahiert von dem Teil des Kostpreises, den das konstante Kapital zusetzt - da 100 Pfd.St. = 200W, 1 W = 100 Pfd.St./200 = 10 Schill. Gesetzt nun, es träte Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit ein; sie verdopple sich, dieselbe Anzahl Arbeiter produziere in derselben Zeit zweimal 200 W, worin sie früher 200 W produzierte. In diesem Fall kostet (soweit der Kostpreis aus bloßem Arbeitslohn besteht), da jetzt 100 Pfd.St. = 400 W, 1 W = 100 Pfd.St./400 = 5 Schill. Verminderte sich die Produktivkraft um die Hälfte, so würde dieselbe Arbeit nur noch 200 W/2 produzieren; und da 100 Pfd.St. = 200 W/2, nun 1 W = 200 Pfd.St./200 = 1 Pfd.St. Die Wechsel in der zur Produktion der Waren erheischten Arbeitszeit und daher in ihrem Wert, erscheinen jetzt mit Bezug auf den Kostpreis und daher auch den Produktionspreis als verschiedne Verteilung desselben Arbeitslohns über mehr oder weniger Waren, je nachdem in derselben Arbeitszeit für denselben Arbeitslohn mehr oder weniger Waren produziert werden. Was der Kapitalist und daher auch der politische Ökonom sieht, ist, daß der Teil der bezahlten Arbeit, der auf die Ware per Stück fällt, sich mit der Produktivität der Arbeit ändert und damit auch der Wert jedes einzelnen Stücks; er sieht nicht, daß dies ebenfalls der Fall ist mit der in jedem Stück enthaltnen unbezahlten Arbeit, um so weniger, da der Durchschnittsprofit in der Tat durch die in seiner Sphäre absorbierte unbezahlte Arbeit nur zufällig bestimmt ist. Nur in solch vergröberter und begriffsloser Form scheint jetzt noch die Tatsache durch, daß der Wert der Waren durch die in ihnen enthaltne Arbeit bestimmt ist.


Fußnoten

(22) Cherbuliez. <=

(23) Corbet. p. 174. <=

(24) Selbstredend wird hier abgesehn von der Möglichkeit, durch Lohndrückung, Monopolpreis usw. einen momentanen Extraprofit herauszuschlagen. [F. E.] <=

(25) Malthus. <=

(26) Corbet. <=