Die Fürstenpredigt

Auslegung des andern Unterschieds Danielis des Propheten, gepredigt auf'm Schloß zu Allstedt vor den tätigen teuren Herzogen und Vorstehern zu Sachsen durch Thomam Müntzer, Diener des Wort Gottes.

Erstlich ward der Text des obgemeldten Unterschieds der Weissagung des Propheten Daniels nach seinen klaren Worten verzählt und verdolmetscht und auf solches die ganze Predigt mit Verfassen des Text gesetzt wie folgt.

Es ist zu wissen, daß der armen, elenden, zerfallenden Christenheit weder zu raten noch zu helfen ist, es sei denn daß die fleißigen, unverdroßnen Gottesknechte täglich die Biblien treiben mit Singen, Lesen und Predigen. Aber damit wird der Kopf der zarten Pfaffen stetlich große Stöße müssen leiden oder seines Handwerks abgehn. Wie soll man ihm aber anders tun, dieweil die Christenheit so jämmerlich durch reißende Wölfe verwüstet ist, wie geschrieben ist Jes. 5, Ps. 80 vom Weingarten Gottes? Und Sankt Paul lehrt, wie man sich in göttlichen Lobsängen üben soll (Eph. 5). Denn gleich wie zur Zeit der lieben Propheten Jesajas, Jeremias, Hesekiel und der andern die ganze Gemein der Auserwählten Gottes also ganz und gar in die abgöttische Weise geraten war, daß ihr auch Gott nicht helfen mochte, sondern mußte sie gefangen wegführen lassen und sie unter den Heiden so lange peinigen, bis daß sie seinen heiligen Namen wieder erkannten (wie geschrieben steht Jes. 29, Jer. 15, Hes. 36, Ps. 89); also auch nichtsdestoweniger ist bei unser Väter und unser Zeit die arme Christenheit noch viel höher verstockt und doch mit einem unaussprechlichen Scheine göttlichen Namens (Luk. 21,2, Tim. 3), da sich der Teufel und seine Diener hübsch mit schmücken (2. Kor. 11). Ja, also hübsch, daß die rechten Gottesfreunde damit verführt werden und mit dem höchsten vorgewandten Fleiß kaum merken mögen ihren Irrtum, wie Matth. 24 klar angezeigt. Dies macht alles die gedachte Heiligkeit und das heuchlerische Entschuldigen der gottlosen Feinde Gottes, da sie sagen, die christliche Kirche kann nicht irren, so sie doch, den Irrtum zu verhüten, darum durch das Wort Gottes stetlich soll erbaut werden und vom Irrtum erhalten, ja auch die Sünde ihrer Unwissenheit erkennen soll (3. Mos. 4, Hos. 4, Mal. 2, Jes. 1). Aber das ist wohl wahr: Christus, der Sohn Gottes, und seine Aposteln, ja auch vor ihm seine heil'gen Propheten haben wohl ein rechte, reine Christenheit angefangen, den reinen Weizen in den Acker geworfen, das ist: das teure Wort Gottes in die Herzen der Auserwählten gepflanzt, wie Matth. 12, Mark. 4, Luk. 8 geschrieben und Hes. 36. Aber die faulen nachlässigen Diener derselbigen Kirchen haben solches mit emsigem Wachen nicht wollen vollführen und erhalten, sondern sie haben das Ihre gesucht, nicht was Jesu Christi war (Phil. 2). Derhalben haben sie den Schaden der Gottlosen, das ist das Unkraut, kräftig lassen einreißen (Ps. 80), da der Eckstein, hier angezeigt, noch klein gewesen ist, von welchem Jesajas 28 sagt. Ja, er hat noch die Welt nicht gar erfüllet, er wird sie aber gar bald erfüllen und voll vollmachen. Drum ist der aufgerichte Eckstein im Anfang der neuen Christenheit bald verworfen von den Bauleuten, das ist von den Regenten (Ps. 118 und Luk. 20). Also, sag ich, ist die angefangene Kirche baufällig geworden an allen Orten bis auf die Zeit der zertrennten Welt (Luk. 21 und hie Dan. 2 Esra 4). Denn Hegesippus und Eusebius sagen am 4. Buch am 22. Unterschied der christlichen Kirchen daß die christliche Gemeinde eine Jungfrau blieben sei nicht länger als bis auf die Zeit des Todes der Aposteln Schüler. Und bald danach ist sie eine Ehebrecherin geworden, wie denn zuvor verkündigt war durch die lieben Aposteln (2. Petr. 2). Und in den Geschichten der Aposteln hat Sankt Paul gesagt zu den Hirten der Schafe Gottes mit klaren, hellen Worten (Apostelgesch. 20): »Habt Acht drauf auf euch selber und auf die ganze Herde, über welche euch der Heil'ge Geist gesetzt hat zu Wächtern, daß ihr sollt weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein Blut erworben hat, denn ich weiß, daß nach meinem Abschied werden unter euch reißende Wölfe kommen, die die Herden nicht verschonen werden. Es werden auch von euch selber Männer aufstehn, die da verkehrte Lehre reden, die Jünger nach sich selbst zu ziehen. Drum seht drauf!« Desgleichen steht im Sendebrief des heil'gen Aposteln Judä. Offb. 16 zeigt es auch an. Derhalben warnet uns unser Herr Christus, uns vor falschen Propheten zu hüten (Matth. 7). Nun ist klar am Tage, daß kein Ding, Gott sei es geklagt, also schlimm und gering geachtet wird als der Geist Christi. Und mag doch niemand selig werden, derselbige Heil'ge Geist versichere ihn denn zuvor seiner Seligkeit, als geschrieben ist Röm. 8, Luk. 12, Joh. 6 und 17. Wie wollen wir armen Würmlein aber hierzu kommen, weil wir die Würdigkeit der Gottlosen in solcher Achtbarkeit halten, daß leider Christus, der zarte Sohn Gottes, vor den großen Titeln und Namen dieser Welt scheint wie ein Hanfpotze oder gemaltes Männlein. Und er ist doch der wahre Stein, der vom großen Berge ins Meer wird geworfen (Ps. 4G) von der prächtigen Üppigkeit dieser Welt. Er ist der Stein, der ohne Menschenhände vom großen Berge gerissen, der da heißt Jesus Christus (1. Kor. 10), der geboren ward, gleich da die Hauptschalkheit im Schwange ging (Luk. 1, 2), zu den Zeiten Octaviani, da die ganze Welt im Schwange ging und geschätzt wurde. Da hat ein Allmächtiger im Geist, ein elender Drecksack, wollen die ganze Welt haben, die ihm doch nirgend zunutze war denn zu Pracht und Hoffart. Ja, er ließ sich dünken, er wär allein groß. O wie gar klein ist da der Eckstein Jesus Christus gewesen in der Menschen Augen. Er ward verweiset in den Viehstall wie ein Auswurf der Menschen (Ps. 22). Hiernach verworfen ihn die Schriftgelahrten (Ps. 118, Matth. 21, Mark. 12, Luk. 20), wie sie noch heut des Tages pflegen. Ja, sie haben endlich gar wohl die Passion mit ihm gespielt, seit daß der lieben Aposteln Schüler gestorben sind. Sie haben den Geist Christi für einen Spottvogel gehalten und tun es noch, wie geschrieben steht Ps. 69. Sie haben ihn ganz visierlich gestohlen wie die Diebe und Mörder (Joh. 10). Sie haben die Schaf Christi der rechten Stimme beraubet und haben den wahren gekreuzigten Christum zum lautern fantastischen Götzen gemacht. Wie ist das zugangen? Antwort: Sie haben die reine Kunst Gottes verworfen und an seiner Statt einen hübschen, feinen, güldenen Herrgott gesetzt, da die armen Bauern vor schmatzen, wie Hoscas klar gesagt hat am 4. Kapitel. Und Jeremias 4 im Buch der Betrübnis sagt: »Die da vorhin gute gewürzte Speise aßen, die haben nun Dreck und Kot davor überkommen.« O leider des erbarmlichen Greuels, davon Christus selbst redet (Matth. 24)! Daß er so jämmerlich verspottet wird mit dem teuflischen Meßhalten, mit abgöttischem Predigen, Gebärden und Leben und doch danoch nicht anders da ist denn ein eitel hölzener Herrgott. Ja, ein abgöttischer hölzener Pfaff und ein grob tölpelisch und knuttelisch Volk, welches doch das allergeringste Urteil von Gott nicht beschließen kann, ist das nicht ein Jammer, Sünde und Schande? Ich halt ja die Tier des Bauchs (Phil. 3). Und die Schwein, davon Matth. 7, 2. Petr. 2 geschrieben steht, haben den edlen Stein Jesum Christum ganz und gar mit Füßen zertreten, so viel sie vermocht haben. Da ist er geworden zum Fußhader der ganzen Welt. Drum haben uns alle ungläubigen Türken, Heiden und Juden aufs billigste verspottet und für Narren gehalten, wie man tolle Menschen halten soll, die ihres Glaubens Geist nicht wollen hören nennen. Drum ist das Leiden Christi nicht anders denn ein Jahrmarkt bei den verzweifelten Buben, wie nie kein Spitzknecht gehabt hat und wie der 69. Ps. sagt. Drum, ihr teuren Brüder, sollen wir aus diesem Unflat erstehn und Gottes rechte Schüler werden, von Gott gelehrt (Joh. 6, Matth. 23), so will uns vonnöten sein große, mächtige Stärke, die uns von oben hernieder verliehen werde, solche unaussprechliche Bosheit zu strafen und zu schwächen. Das ist die allerklarste Weisheit Gottes (Spr. Sal. 9), welche allein von der reinen, ungedichten Ehrfurcht Gottes entsprießt. Dieselbige muß uns allein mit gewaltiger Hand wappnen zur Rache wider die Feinde Gottes mit dem höchsten Eifer zu Gott, als geschrieben steht Spr. Sal. 5, Joh. 2, Ps. 69. Da ist gar kein Entschuldigen mit menschlichen oder vernünftigen Anschlägen, denn der Gottlosen Gestalt ist über alle Maßen schön und listig, wie die schöne Kornblume unter den gelben Ähren des Weizens (Pred. 8), aber solches muß die Weisheit Gottes erkennen.

Zum andern müssen wir den Greuel weiter und wohl ansehn der diesen Stein verachtet. Sollen wir aber das recht an ihm erkennen, so müssen wir der Offenbarung Gottes täglich gewärtig sein. Oh, das ist ganz teuer und seltsam geworden in der schalkhaftigen Welt, denn die listigen Anschläge der Spitzklugen werden uns alle Augenblicke überfallen und noch viel höher in der reinen Kunst Gottes verhindern (Spr. Sal. 4 und Ps. 37). Solchem muß man zuvorkommen in der Furcht Gottes. Wenn dieselbige allein in uns ganz und rein versorgt würde, dann so möchte die heil'ge Christenheit leicht wieder zum Geist der Weisheit und Offenbarung göttlichen Willens kommen. Dies alles ist verfasst in der Schrift (Ps. 145, Ps. 111, Spr. Sal. 1). Die Furcht Gottes aber muß rein sein, ohne alle Menschen- oder Kreaturenfurcht (Ps. 19, Jes. 66, Luk. 12). Oh, die Furcht ist uns hoch vonnöten! Denn gleich so wenig als man seliglich zwei Herren dienen mag (Matth. 6), so wenig mag man auch Gott und Kreaturen seliglich fürchten. Gott mag sich auch über uns nicht erbarmen (als die Mutter Christi, unsers Herrn, sagt), es sei denn, daß wir ihn aus ganzem Herzen allein fürchten. Drum sagt Gott (Mal. 1): »Bin ich euer Vater, wo ist dann meine Ehre? Bin ich euer Herr, wo ist dann meine Furcht?« Also, ihr teuren Fürsten, ist not, daß wir in diesen ganz gefährlichen Tagen (1. Tim. 43 den allerhöchsten Fleiß verwenden, wie alle liebe Väter, in den Biblien verzeichnet, vom Anfang der Welt solchem hinterlistigen Übel zu begegnen. Denn die Zeit ist jetzt gefährlich, und die Tage sind böse (2. Tim. 3, Eph. 5). Warum? Allein darum, daß die edle Kraft Gottes so gar jämmerlich geschändet und verunehret wird, daß die armen groben Menschen also durch die heillosen Schriftgelehrten verführt werden mit großem Geplauder als der Prophet Micha 3 davon saget, welches jetzt fast aller Schriftgelehrten Art ist und gar wenig ausgenommen, das die lehren und sagen, daß Gott seinen lieben Freunden seine göttlichen Geheimnise nicht mehr offenbart durch rechte Gesichte oder sein mündliches Wort etc. Bleiben also bei ihrer unerfahrnen Weise (Sir. 34) und machen von den Menschen, die mit der Offenbarung Gottes umgehn, ein Sprichwort, wie die Gottlosen täten dem Jeremias (20. Kap.): »Hör, hat dir Gott auch neulich zugesprochen? Oder hast du den Mund Gottes neulich gefragt und mit ihm geratschlagt? Hast du den Geist Christi?« Solchs tun sie mit großem Hohn und Spott. War es nicht ein Großes, das zur Zeit Jeremiä geschah? Jeremias warnte das arme, blinde Volk vor der Pein des Gefängnises zu Babylonien gleichwie der fromme Lot seiner Töchter Männer (1. Mos. 19). Aber es dünkt sie gar närrisch sein. Sie sagten zu den lieben Propheten: »Ja, ja, Gott sollte die Menschen wohl so väterlich warnen.« Was ist aber nun dem spöttischen Haufen in dem Babylonischen Gefängnis widerfahren? Nit anders, denn daß sie durch diesen heidnischen König Nebukadnezar zuschanden wurden. Sie hier den Text an! Er hat die Rede Gottes angenommen und war doch ein mächtiger Wütrich und eine Rute des Volks der Auserwählten, die sich wider Gott versündigt hatten. Aber von Blindheit und Verstockung des Gottesvolkes müßte die allerhöchste Güte also der Welt erklärt werden, wie Sankt Paul. Röm. am 11. und Hesekiel am 23. sagen. Also hier zur Unterricht sag ich also, daß Gott der Allmächtige nicht allein die Ding, die in vielen Jahren zukünftig waren, wies dem heidnischen König zur unaussprechlichen Schmach der Halsstarrigen unter dem Volk Gottes, welche keinem Propheten wollten glauben. Gleichermaßen sind auch die unversuchten Menschen zu unsern Zeiten. Sie sind der Strafe Gottes nicht gewärtig, wenn sie dieselbigen Dinge gleich vor Augen sehn. Was soll dann Gott der Allmächtige mit uns zu schaffen haben? Drum muß er uns sein Güte entziehen. Nun folgt der Text:

Der König Nebukadnezar hatte einen Traum, welcher ihm verschwand, etc.

Was sollen wir hiezu sagen? Es ist eine unaussprechliche, ja ungewöhnliche und hassenswerte Sache, von Träumen der Menschen zu reden, der Ursache, daß die ganze Welt vom Anfang bis jetzt durch die Träumer betrogen ist, wie geschrieben steht 5. Mos. 13, Sir. 34. Derhalben in diesem Kapitel angezeigt, daß der König den klugen Wahrsagern und Träumern nicht glauben wollte, da er sprach: »Saget mir meinen Traum, danach die Auslegung, sonst werdet ihr mir eitel Betrug und Lügen sagen.« Was war das? Sie vermochten und konnten ihm den Traum nicht sagen und sprachen: »O lieber König, es mag dir den Traum kein Mensch auf Erden sagen denn allein die Götter, die keine Gemeinschaft mit den Menschen auf Erden haben.« Ja, noch ihrem Verstande redeten sie recht in vernünftiger Weise. Sie hatten aber keinen Glauben zu Gott, sondern es waren gottlose Heuchler und Schmeichler, die da redeten, was die Herren gern hören, gleichwie jetzt zu unserer Zeit die Schriftgelehrten tun, die da gern üppige Bissen essen zu Hofe. Aber das ist wider sie, das da geschrieben steht Jeremiä am 5. Kapitel und am 8., was ist mehr da. Es sagt der Text hier, es müßten Menschen sein, die da Gemeinschaft im Himmel hätten. Oh, das ist den Klüglingen ein bitteres Kraut! Und es will doch der heil'ge Paulus also haben zu den Philippern am 3. Kapitel. Nach wollten solche Gelehrten gleichwohl die Geheimnisse Gottes auslegen. Oh, der Buben hat jetzt die Welt ausdermaßen viel, die sich solches öffentlich vermessen. Und von denselbigen sagt Jesajas am 58. Kapitel: »Sie wollen meine Wege wissen gleichwie das Volk, das da meine Gerechtigkeit ausgeführt hätte.« Solche Schriftgelehrten sind die Wahrsager, die da öffentlich die Offenbarung Gottes leugnen. Und fallen doch dem Heiligen Geist in sein Handwerk, wollen alle Welt unterrichten, und was ihrem unerfahrenen Verstande nicht gemäß ist, das muß ihnen alsbald vom Teufel sein. Und sind doch ihrer eigen Seligkeit nicht versichert, welches sie doch nothalben sein sollten (Röm. 8). Sie können hübsch vom Glauben schwatzen und einen trunkenen Glauben einbrauen den armen, verwirrten Gewissen. Dies macht alles das unbeschiedene Urteil und Greuel, welchen sie haben von der hassenswerten Betrügerei, der ganz verfluchten, vergifteten Mönchträume, durch welche der Teufel alle seine Willen ins Werk gebracht, ja auch viel frommer Auserwählten unerstattlich betrogen hat, wenn sie ohne allen Bescheid den Gesichten und Träumen mit ihrem tollen Glauben stracks stattgegeben haben. Und also ihre Regel und lose Bockfinzerei durch Offenbarung des Teufels beschrieben, wider welches die Kolosser am 2. Kapitel heftig gewarnt sind vom heil'gen Paul. Aber die verfluchten Mönchträumer haben nicht gewußt, wie sie sollten der Kraft Gottes gewärtig sein. Darüber sind sie in einem verkehrten Sinne verstockt und sind jetzt der ganzen Welt von Tag zu Tage dargestallt in Sünden und Schanden wie die untätigen Lotterbuben. Dennoch sind sie blind in ihrer Torheit. Nichts anderes hat sie verführt und nach auf diesen heutigen Tag je weiter verführt denn der Aberglaube, da sie ohne alle erfahrene Ankunft des Heiligen Geistes, des Meisters der Furcht Gottes, mit Verachtung göttlicher Weisheit das Gute nicht vom Bösen (unter dem guten Schein verdeckt) absondern. Über welche schreit Gott durch Jesajam am 5. Kapitel: »Weh euch, die ihr das Gute böse heißet und das Böse gut!« Drum ist's nicht frommer Menschen Art, das Gute mit dem Bösen verwerfen. Denn der heil'ge Paulus sagt zu den Thessaloniern (5. Kap.): »Ihr sollt die Weissagung nicht verachten! Versucht es alles! Was unter dem aber gut ist, das behaltet !« etc.

Zum dritten sollt ihr die Meinung wissen, daß Gott seinen Auserwählten also ganz und gar holdselig ist, daß, wenn er sie im allergeringsten könnt warnen (5. Mos. 1 und 32, Matth. 23), er tät es aufs höchste, wenn sie dasselbige vor großem Unglauben empfangen könnten. Denn hier stimmt dieser Text Danielis mit dem heil'gen Paul gleich zu den Korinthern am 2. Kapitel und ist genommen aus dem heil'gen Jesajas am 64. Kapitel, sagend: »Das kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat und in keins Menschen Herz gekommen ist, dasselbige hat Gott denen bereitet, die ihn lieben. Aber uns hat es Gott offenbart durch seinen Geist, denn der Geist erforscht alle Dinge, ja auch die Tiefe der Gottheit.« etc. Drum ist das kürzlich die ernstliche Meinung: Wir müssen wissen und nicht allein in den Wind glauben, was uns von Gott gegeben sei oder vom Teufel oder der Natur. Denn so unser natürlicher Verstand daselbst soll zur Dienstbarkeit des Glaubens gefangen werden (2. Kor. 10), so muß er kommen auf den letzten Grad aller seiner Urteile, wie zu den Römern am ersten Kapitel und Baruch 3 angezeigt. Der Urteile mag er aber keines beschließen mit gutem Grund seines Gewissens ohne Gottes Offenbarung. Da wird der Mensch klar finden, daß er mit dem Kopf durch den Himmel nicht laufen kann, sondern er muß erstlich ganz und gar zum innerlichen Narren werden (Jes. 29, 33, Obadia 1, 1. Kor. 1). Oh, das ist denn der klugen, fleischlichen, wollüstigen Welt gar ein seltsamer Wind. Da folgen alsbald die Schmerzen wie einer Gebärerin (Ps. 48, Joh. 16). Da findet Daniel und ein jeglicher frommer Mensch mit ihm, daß ihm allda alle Dinge gleich so unmöglich sind wie andern gemeinen Menschen von Gotte zu erforschen. Das meint' der weise Mann (Pred. 3), da er sagt: »Wer da will ausforschen Gottes Herrlichkeit, der wird von seinem Preis erdrückt.« Denn je mehr die Natur nach Gott greift, je weiter sich die Wirkung des Heil'gen Geists von ihr entfremdet, wie klar anzeigt der 139. Psalm. Ja, wenn sich der Mensch verstünde auf den Vorwitz des natürlich Lichts, er würde ohne Zweifel nicht viel Behelf suchen mit gestohlner Schrift, wie die Gelehrten mit einem Stücklein oder zweien tun (Jes. 28, Jer. 8), sondern er würde bald empfinden die Wirkung göttlichen Worts aus seinem Herzen quellen (Joh. 4). Ja, er dürfte die faulen Wasser im Brunnen nicht ertragen (Jer. 2), wie jetzt unsere Gelehrten tun, die verwickeln die Natur mit der Gnade ohne allen Unterschied. Sie verhindern dem Wort seinen Gang (Ps. 119), welcher vom Abgrund der Seelen herkommt, als Moses sagt (5. Mos. 30): »Das Wort ist nicht weit von dir. Sieh, es ist in deinem Herzen.« etc. Nun fragst du vielleicht, wie kommt es denn ins Herz? Antwort: Es kommt von Gott oben hernieder in einer hohen Verwunderung, welches ich jetzt laß bestehn bis auf ein andermal. Und diese Verwunderung, ob es Gottes Wort sei oder nicht, hebt sich an, wenn einer ein Kind ist von 6 oder 7 Jahren, wie figuriert ist 4. Mos. am 19. Drum trägt Sankt Paul hervor den Moses und Jesajas zu den Römern am 10. Kapitel und redet da vom innerlichen Worte, zu hören in dem Abgrund der Seelen durch die Offenbarung Gottes. Und welcher Mensch dieses nicht gewahr und empfindlich geworden ist durch das lebendige Zeugnis Gottes (Röm. 8), der weiß von Gott nichts gründlich zu sagen, wenn er gleich hunderttausend Biblien hätt gefressen. Daraus mag ein jeglicher wohl ermessen, wie fern die Welt noch vom Christenglauben sei. Noch will niemand sehen oder hören. Soll nun der Mensch des Wortes gewahr werden und daß er seiner empfindlich sei, so muß ihm Gott nehmen seine fleischlichen Lüste. Und wenn die Bewegung von Gott kommt ins Herz, daß er töten will alle Wollust des Fleisches, daß er ihm da stattgebe, daß er seiner Wirkung bekommen mag. Denn ein tierischer Mensch vernimmt nicht, was Gott in die Seele redet (1. Kor. 2), sondern er muß durch den Heil'gen Geist gewiesen werden auf die ernstliche Betrachtung des lautern, reinen Verstandes des Gesetzes (Ps. 19), sonst ist er blind im Herzen und dichtet ihm einen hölzern Christum und verführt sich selber. Drum sieh hierzu, wie sauer es dem lieben Daniel ist geworden, dem Könige das Gesichte auszulegen, und wie fleissig er Gott drum besucht und gebeten hat. Also auch zur Offenbarung Gottes muß sich der Mensch von aller Kurzweil absondern und einen ernsten Mut zur Wahrheit tragen (2. Kor. 6) und muß durch die Übung solcher Wahrheit die unbetrüglichen Gesicht vor den falschen erkennen. Derhalben spricht der liebe Daniel am 10. Kapitel: »Es soll ein Mensch Verstand haben in den Gesichten, auf daß sie nicht alle zu verwerfen sind.« etc.

Zum vierten sollt ihr wissen, daß ein auserwählter Mensch, der da wissen will, welches Gesicht oder Traum von Gott, Natur oder Teufel sei, der muß mit seinem Gemüt und Herzen, auch mit seinem natürlichen Verstande abgeschieden sein von allem zeitlichen Trost seines Fleisches und muß ihm gehn wie dem lieben Joseph in Ägypten (1. Mos. 39) und allhier Daniel in diesem Kapitel. Denn es wird kein wollüstiger Mensch annehmen (Luk. 7), denn die Disteln und Dornen, das sind die Wollüste dieser Welt, als der Herr sagt Mark. 4, verdrängen alle Wirkung des Worts, das Gott in die Seelen redet. Drum wenn Gott schon sein heiliges Wort in die Seelen spricht, so kann es der Mensch nicht hören, so er ungeübt ist, denn er tut keinen Einkehr oder Einsehn in sich selber und in den Abgrund seiner Seele (Ps. 49). Der Mensch will sein Leben nicht kreuzigen mit seinen Lastern und Begierden, wie Paulus lehrt, der heil'ge Apostel, drum bleibt der Acker des Wort Gottes voll Disteln und Dornen und voll großer Stauden, welche alle weg müssen zu diesem Werk Gottes, auf daß der Mensch nicht nachlässig oder faul befunden werde (Spr. 24). Dennoch so sieht man die Mildigkeit des Ackers und zum letzten das gute Gewächs. Dann wird der Mensch erst gewahr, daß er Gottes und des Heil'gen Geists Wohnung sei in der Länge seiner Tage, ja, daß er wahrhaftig geschaffen sei, allein der Ursache, daß er Gottes Zeugnis in seinem Leben erforschen soll (Ps. 93 und 119). Desselbigen wird er jetzt gewahr in den Teilen durch bildreiche Weise, jetzt auch im ganzen im Abgrund des Herzen (1. Kor. 13). Zum andern muß er gar wohl zusehn, daß solche Figuren, Gleichnisse in den Gesichten oder Träumen mit allen ihren Umständen in der heil'gen Biblien bezeugt sind, auf daß der Teufel nicht daneben einreiße und verderbe die Salbe des Heil'gen Geistes mit ihrer Süßigkeit, als der weise Mann von den Fliegen sagt, die da sterben (Pred. 10). Zum dritten muß der auserwählte Mensch Acht haben auf das Werk der Gesichte, daß es nicht rauß quelle durch menschliche Anschläge, sonder einfaltig herfließe nach Gottes unverrücklichem Willen, und muß sich gar eben vorsehn, daß nicht ein Stüklein daran gebreche, was er gesehn habe, denn es muß tapfer ins Werk kommen. Aber wenn der Teufel etwas wirken will, so verraten ihn doch seine faulen Fratzen, und seine Lügen gucken doch zuletzt hervor, denn er ist ein Lügner (Joh. 8). Dasselbige ist hier in diesem Kapitel gar klar angezeigt vom Könige Nebukadnezar und danach am 3. im Werk bewiesen. Denn er hat die Ermahnung Gottes gar geschwind vergessen. Das haben ohne Zweifel seine fleischlichen Begierden, die er auf die Lüste und Kreaturen erstreckt hat, verursacht. Denn also muß es gehn, wenn ein Mensch will seiner Wollust stetiglich pflegen, mit Gottes Werk zu schaffen haben und in keinem Betrübnis sein, so kann ihn auch die Kraft des Wortes Gottes nicht umhüllen! (Luk. 8). Gott der Allmächtige weist die rechten Gesichte und Träume seinen geliebten Freunden am allermeisten in ihrem höchsten Betrübnis, als er tät dem frommen Abraham (1. Mos. 15 und 17). Da ist ihm Gott erschienen, da er sich in großer Furcht entsetzte. Idem der liebe Jakob, da er mit großer Betrübnis flüchtig ward vor seinem Bruder Esau, da kam ihm ein Gesicht, daß er die Leitern am Himmel sah aufgerichtet und die Engel Gottes auf und ab steigen (1. Mos. 28). Danach, da er wieder heimzog, hat er sich über die Maßen vor seinem Bruder Esau gefürchtet. Da erschien ihm der Herr im Gesicht, da er ihm die Hüften zerschlug und mit ihm ringet (1. Mos. 32). Idem der fromme Joseph ward gehasst von seinen Brüdern, und in solchem Betrübnis hatte er zwei nötliche Gesichte (1. Mos. 37). Und danach in seinem herzlichen Betrübnis in Ägypten im Gefängnis ward er also hoch von Gott erleuchtet, daß er alle Gesichte und Träume konnte auslegen (1. Mos. 39 und 40 und 41). Über alles dies wird den unversuchten, wollüstigen Schweinen, den Klüglingen vorgehalten der andere heil'ge Joseph in Matth. am ersten und andern Kapitel. Er hatte vier Träume, da er verängstigt war in seiner Betrübnis, und war durch die Träume versichert, wie auch die Weisen im Schlafe unterrichtet vom Engel, zu Herodes nicht wiederzukommen. Idem die lieben Aposteln haben müssen mit dem höchsten Fleiße der Gesichte gewärtig sein, wie es in ihren Geschichten klar beschrieben ist. Ja, es ist ein rechter apostolischer, patriarchischer und prophetischer Geist, auf die Gesichte warten und dieselbigen mit schmerzlichem Betrübnis überkommen. Drum ist's nicht Wunder, daß sie Bruder Mastschwein und Bruder Sanftleben verwirrt haben (Hiob 28). Wenn aber der Mensch das klare Wort Gottes in der Seel nicht vernommen hat, so muß er Gesichte haben. Wie Sankt Peter in den Geschichten der Aposteln verstand das Gesetz nicht (3. Mos. am 11. Kap.). Er zweifelte an der Speise und an den Heiden, sie zu seiner Gesellschaft zu nehmen (Apostelgesch. 10). Da gab ihm Gott ein Gesicht im Überschwang seins Gemütes. Do sah er ein Leinentuch mit vier Zipfeln vom Himmel auf die Erden gelassen voll vierfüßiger Tiere und hörte eine Stimme, sagen: »Schlachte und iß!« Desgleichen hatte der fromme Cornelius, da er nicht wußte, wie er tun sollte (Apostelgesch. 10). Auch da Paulus gen Troas kam, erschein ihm ein Gesicht in der Nacht.

Das war ein Mann von Mazedonien, der stand und bat ihn und sprach: »Komm hernieder gen Mazedonien und hilf uns!« - »Da er aber solches Gesicht gesehn hatte, trachten wir« , sagt der Text da (Apostelgesch. 16), »also bald zu reisen gen Mazedonien, denn wir waren gewiß, daß uns der Herr dahin berufen hatte.« Idem da sich Paulus fürchtete, zu predigen in Corinth (Apostelgesch. 18), da sagte der Herr in der Nacht durch ein Gesichte zu ihm: »Du sollst dich nicht fürchten etc.« - »Es soll sich niemand unterstehn dir zu schaden, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.« etc. Und was ist not, viel Zeugnis der Schrift vorzuwenden? Es wäre nimmermehr möglich in solchen weitläufigen, gefährlichen Sachen, als da rechte Prediger Herzogen und Regenten haben, daß sie sich allenthalben sollten bewahren, sicherlich und ungetadelt zu handeln, wenn sie in der Offenbarung Gottes nicht lebten, wie Aaron hört von Moses und David von Nathan und Gad. Derhalben waren die lieben Apostel der Gesichte ganz und gar gewohnt, wie der Text beweret in den Geschichten am 12. Kapitel. Da der Engel zu Petrus kam und fuhr ihn aus dem Gefängnis des Herodes, und es dünkte ihn, er hätte ein Gesichte, er wußte nicht, daß der Engel das Werk seiner Erlösung in ihm vollführte. Wär aber Petrus der Gesichte nicht gewohnt gewesen, wie sollte ihn denn solches gedünkt haben, ein Gesichte sein. Daraus schließ ich nun, daß, wer da will aus fleischlichem Urteil also unbeschieden den Gesichten feind sein und sie alle verwerfen oder alle aufnehmen ohne allen Bescheid, darum, daß die falschen Träumer der Welt solchen Schaden getan haben durch die Ehrgeizigen oder Genießsucher, der wird nicht wohl anlaufen, sondern wird sich stoßen an den Heil'gen Geist, Joel am 2. Kapitel, da Gott klar sagt wie dieser Text Daniels von der Veränderung der Welt: Er will sie in den letzten Tagen anrichten, daß sein Name soll recht gepreiset werden. Er will sie von ihrer Schande entledigen und will seinen Geist über alles Fleisch ausgießen, und unsere Söhne und Töchter sollen weissagen und sollen Träume und Gesichte haben etc. Denn so die Christenheit nicht sollte apostolisch werden (Apostelgesch. 2, da Joel vorgetragen wird), warum sollte man dann predigen? Wozu dient dann die Biblien von Gesichten? Es ist wahr und ich weiß fürwahr, daß der Geist Gottes jetzt vielen auserwählten, frommen Menschen offenbart: eine treffliche, unüberwindliche, zukünftige Reformation von großen Nöten sein. Und es muß ausgeführt werden, es wehre sich gleich ein jeglicher wie er will, so bleibt die Weissagung Daniels ungeschwächt, ob ihr wohl niemand glauben will, wie auch Paulus zu den Römern am 3. Kapitel sagt. Es ist dieser Text Daniels also klar wie die helle Sonne, und das Werk geht jetzt im rechten Schwange vom Ende des fünften Reichs der Welt. Das erst ist erklärt durch den goldenen Knauf. Das war das Reich zu Babel. Das andere durch die silberne Brust und Arm. Das war das Reich der Medier und Persier. Das dritte war das Reich der Griechen, welches erschallt mit seiner Klugheit (durch das Erz angezeigt), das vierte, das Römische Reich, welchs mit dem Schwert gewonnen ist und ein Reich des Zwingens gewesen. Aber das fünfte ist dies, das wir vor Augen haben, das auch von Eisen ist und wollte gern zwingen. Aber es ist mit Kot geflickt, wie wir vorhersehenden Augen sehen, eitel Anschläge der Heuchelei, die da krimmet und wimmet auf dem ganzen Erdreich. Denn wer nicht betrügen kann, der muß ein toller Kopf sein. Man sieht jetzt hübsch, wie sich die Öle und Schlangen zusammen verunkeuschen auf einem Haufen. Die Pfaffen und alle bösen Geistlichen sind Schlangen, wie sie Johannes, der Täufer Christi, nennt (Matth. 3), und die weltlichen Herren und Regenten sind Öle, wie figuriert ist 3. Moses am 11. Kapitel von Fischen etc. Da haben sich die Reiche des Teufels mit Ton beschmiert. Ach, lieben Herren, wie hübsch wird der Herr da unter die alten Töpfe schmeißen mit einer eisernen Stange (Ps. 2). Darum, ihr allerteursten liebsten Regenten, lernt euer Urteilt recht aus dem Munde Gottes und laßt euch durch eure heuchlerischen Pfaffen nicht verführen und mit gedichteter Geduld und Gute aufhalten. Denn der Stein, ohne Hände vom Berge gerissen, ist groß worden. Die armen Laien und Bauern sehn ihn viel schärfer an als ihr. Ja, Gott sei gelobt, er ist so groß worden, wenn euch andere Herren oder Nachbarn schon um des Evangeliums willen wollten verfolgen, so würden sie von ihrem eigenen Volk vertrieben werden, das weiß ich fürwahr. Ja, der Stein ist groß! Da hat sich die blöde Welt lange vor gefürchtet. Er hat sie überfallen, da er noch klein war. Was sollen wir denn nun tun, weil er so groß und mächtig ist geworden und weil er so mächtig unverzüglich auf die große Säule gestrichen und sie bis auf die alten Töpfe zerschmettert hat? Drum, ihr teuren Regenten von Sachsen, tretet keck auf den Eckstein, wie der heilige Petrus tat (Matth. am 16.), und sucht die rechte Beständigkeit göttlichen Willens! Er wird euch wohl erhalten auf dem Stein (Ps. 40). Eure Gänge werden richtig sein. Sucht nur stracks Gottes Gerechtigkeit und greift die Sache des Evangeliums tapfer an. Denn Gott steht so nah bei euch, daß ihr's nicht glaubt. Warum wollt ihr euch denn vor dem Gespenst des Menschen entsetzen (Ps. 118). Seht hier den Text wohl an. Der König Nebukadnezar wollte die Klugen darum töten, daß sie ihm den Traum nicht konnten auslegen. Es war verdienter Lohn. Denn sie wollten sein ganzes Reich mit ihrer Klugheit regieren und konnten solches nicht, dazu sie doch eingesetzt waren. Solchermaßen sind auch jetzt unser Geistlichen. Und ich sag euch fürwahr, wenn ihr der Christenheit Schaden so wohl erkennen möchtet und recht bedenken, so würdet ihr ebensolchen Eifer gewinnen wie Jehu, der König (2. Kön. 9 und am 10.), und wie das ganze Buch Offb. davon anzeigt. Und ich weiß fürwahr, daß ihr euch so mit großer Not würdet enthalten, dem Schwert seine Gewalt zu unternehmen. Denn der erbärmlich Schaden der heil'gen Christenheit ist so groß geworden, daß ihn noch zur Zeit keine Zunge mag ausreden. Drum muß ein neuer Daniel aufstehn und euch eure Offenbarung auslegen, und derselbige muß vorn, wie Moses lehrt (5. Mos. 20), an der Spitzen gehn. Er muß den Zorn der Fürsten und des ergrimmten Volkes versöhnen. Denn so ihr werdet recht erfahren den Schaden der Christenheit und Betrügerei der falschen Geistlichen und der verzweifelten Bösewichter, so werdet ihr also auf sie ergrimmen, daß es niemand bedenken mag. Es wird euch ohne Zweifel verdrießen und sehr zu Herzen gehn, daß ihr so gütig gewesen seid, nachdem sie euch mit den allersüßesten Worten zu den allerschändlichsten Urteilen geleitet haben (Weish. 6) wider alle aufgerichtete Wahrheit. Denn sie haben euch genarrt, daß ein jeder zu den Heil'gen schwöre, die Fürsten sind heidnische Leute ihres Amts halben, sie sollen nicht anders denn bürgerliche Einigkeit erhalten. Ach, Lieber, ja da fällt und streicht der große Stein bald drauf und schmeißt solche vernünftige Anschläge zu Boden, da er sagt (Matth. am 10.): »Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.« Was soll man aber mit demselbigen machen? Nicht anders denn die Bösen, die das Evangelium verhindern, wegtun und absondern, wollt ihr anders nicht Teufel sondern Diener Gottes sein, wie euch Paulus nennt zu den Römern am 13. Ihr dürft nicht zweifeln, Gott wird alle eure Widersacher zu Trümmern schlagen, die euch zu verfolgen unterstehn. Denn seine Hand ist noch nicht verkürzt, wie Jesajas sagt 59. Drum mag er euch noch helfen und will es tun, wie er dem auserwählten Könige Josia und andern, die den Namen Gottes vertedigt haben, beigestanden hat. Also seid ihr Engel, wo ihr recht tun wollt, wie Petrus sagt (2. Petr. 1). Christus hat befohlen mit großem Ernst (Luk. 19) und spricht: »Nehmet meine Feinde und würget mir sie vor meinen Augen.« Warum? Ei darum, daß sie Christus sein Regiment verderbt und wollen noch dazu ihre Schalkheit unter der Gestalt des Christenglaubens verteidigen und ärgern mit ihrem hinterlistigen Schanddeckel die ganze Welt. Drum sagt Christus, unser Herr (Matth. 18): »Wer da einen aus diesen Kleinen ärgert, ist ihm besser, daß man ihm einen Mühlstein an den Hals hänge und werf ihn in das tiefe Meer.« Es glossiere, wer da will, hin und her. Es sind die Worte Christi. Darf nun Christus sagen, wer da einen von den Kleinen ärgert, was soll man dann sagen, so man einen großen Haufen ärgert am Glauben? Das tun die Erzbösewichte, die die ganze Welt ärgern und abtrünnig machen vom rechten Christenglauben und sagen: »Es soll die Geheimnisse Gottes niemand wissen. Es soll sich ein jeglicher halten nach ihren Worten und nicht nach ihren Werken » (Matth. am 23.). Sie sprechen, es sei nicht vonnöten, daß der Glaube bewert sei wie das Gold im Feuer (1. Petr. 1, Ps. 140). Aber mit der Weise wäre der Christenglaube ärger denn ein Hundesglaube, wenn er hofft ein Stück Brot zu empfangen, so der Tisch gedeckt wird. Solchen Glauben bilden die falschen Gelehrten der armen, blinden Welt vor. Das ist ihnen nicht seltsam, denn sie predigen allein um des Bauches willen (Phil. am 3. Kapitel). Sie können von Herzen nicht anders sagen (Matth. am 12. Kapitel). Sollt ihr nun rechte Regenten sein, so müßt ihr das Regiment bei der Wurzel anheben und handeln, wie Christus befohlen hat. Treibt seine Feinde von den Auserwählten! Denn ihr seid die Mittler dazu. Lieber, gebt uns keine schalen Fratzen vor, daß die Kraft Gottes es tun soll ohne euer Zutun des Schwerts, es möchte euch sonst in der Scheiden verrosten. Gott geb es ! Sage euch welcher Gelehrter, was er will, so sagt Christus genug (Matth. am 7., Joh. am 15. Kapitel): »Ein jeglicher Baum, der nicht gute Frucht tut, der soll ausgerodet werden und ins Feur geworfen.« So ihr nun die Larve der Welt wegtut, so werdet ihr sie bald erkennen mit rechtem Urteil (Joh. am 7. Kapitel). Tut ein rechtes Urteil aus Gottes Befehl! Ihr habt Hilfe genug dazu (Weish. am 6.), denn Christus ist euer Meister (Matth. am 23. Kapitel). Drum lasst die Übeltäter nicht länger leben die uns von Gott abwenden (5. Mos. 13). Denn ein gottloser Mensch hat kein Recht zu leben, wo er die Frommen verhindert. 2. Mos. am 22. Kapitel sagt Gott: »Du sollst die Übeltäter nicht leben lassen.« Das meint auch Sankt Paulus da er vom Schwert sagt der Regenten, daß es zur Rache der Bösen verliehen sei und Schutz der Frommen (Röm. am 13. Kapitel). Gott ist eure Beschirmung und wird euch lehren streiten wider seine Feinde (Ps. am 18.). Er wird eure Hände läuftig machen zum Streite und wird euch auch erhalten. Aber ihr werdet darüber ein großes Kreuz und Anfechtung müssen leiden, auf daß euch die Furcht Gottes erklärt werde. Das mag ohne Leiden nicht geschehen, aber es koste euch nichts mehr denn die Fährlichkeit um Gotts Willen gewoget und das unnütz Geplauder der Widersacher. Denn so der fromme David schon von seinem Schloß wurde vertrieben vom Absalom, er kam doch endlich wieder drauf wenn Absalom erhangen und erstochen wurde. Drum, ihr teuren Väter von Sachsen, ihr müßt es wagen um des Evangeliums willen, aber Gott wird euch freundlich züchtigen wie seine allerliebsten Söhne (5. Mos. 1). Wenn er in seinem kurzen Zorn inbrünstig ist, selig sind dann alle, die sich da auf Gott verlassen. Sagt allein frei mit dem Geist Christi: »Ich will mich vor Hunderttausend nicht fürchten, ob sie mich schon umlagern.« Ich halte aber, allhiee werden wir unseren Gelehrten die Gütigkeit Christi vorhalten, welche sie auf ihre Heuchelei zerren. Aber sie sollen dagegen ansehn auch den Eifer Christi (Joh. 2, Ps. 69), da er die Wurzeln der Abgötterei zerstört, wie Paulus sagt zu den Kolossern am 3. Kapitel, daß um derselbigen willen der Zorn Gottes nicht mag weggetan werden von der Gemeine. Hat er nun noch unserm Ansehn das Kleine herniedergerissen, er würde ohne Zweifel auch der Götzen und Bilder nicht geschont haben, wo sie da wären gewesen. Wie er dann selber durch Moses befohlen hat (5. Mos. 7), da er sagt: »Ihr seid ein heil'ges Volk. Ihr sollt euch nicht erbarmen über die Abgöttischen. Zerbrecht ihre Altare, zerschmeißt ihre Bilder und verbrennt sie, auf daß ich mit euch nicht zürne.« Diese Worte hat Christus nicht aufgehoben, sondern er will sie uns helfen erfüllen (Matth. 5). Es sind die Figuren alle durch die Propheten ausgelegt, aber dies sind helle, klare Worte, welche ewig müssen bestehn (Jes. 40). Gott kann heute nicht ja sagen und morgen nein, sondern er ist unwandelbar in seinem Worte (Mal. 3, 1. Sam. 15, 4. Mos. 22). Dem Einwand, daß aber die Apostel der Heiden Abgötter nicht zerstört haben, antworte ich also: daß Sankt Peter ein furchtsamer Mann gewesen ist. Galater 2 hat er geheuchelt mit den Heiden. Er war aller Aposteln Figur, daß auch Christus von ihm sagte (Joh. am letzten), daß er sich ganz heftig vor dem Tod gefürchtet hat und demselbigen darum durch solches keine Ursach gegeben, ist leichtlich zu ermessen. Aber Sankt Paul hat ganz hart geredet wider die Abgötterei (Apostelgesch. 17). Hätte er seine Lehre gekonnt aufs höchste treiben bei denen von Athen, er hätte ohne Zweifel die Abgötterei gar herniedergeworfen, wie Gott durch Moses befohlen hatte und wie es auch hernachmals durch die Märtyrer geschah in bewährten Historien. Drum ist uns mit der Heil'gen Gebrechen oder Nachlassens keine Ursache gegeben, den Gottlosen ihre Weise zu lassen. Nachdem sie Gottes Namen mit uns bekennen, sollen sie unter zweien eins erwählen, den Christenglauben gar verleugnen oder die Abgötter wegtun (Matth. 18). Daß aber unsere Gelehrten herkommen und sagen mit dem Daniel mit ihrer gottlosen gestohlenen Weise, daß der Widerchrist soll ohne Hand zerstört werden, ist also viel: Er ist schon verzagt, wie das Volk war, da die Auserwählten ins Gelobte Land wollten, wie Josua schreibt. Er hat gleichwohl in der Schärfe des Schwerts ihrer nicht verschont. Sieh an den 44. Psalm und 1. Chron. 14, da wirst du finden die Auflösung also: Sie haben das Land nicht durch das Schwert gewonnen, sondern durch die Kraft Gottes, aber das Schwert war das Mittel, wie uns Essen und Trinken ein Mittel ist zu leben, also notwendig ist auch das Schwert, die Gottlosen zu vertilgen (Röm. am 13.). Daß aber dasselbige nun redlicherweise und fuglich geschehe, so sollen das unsere teuren Väter, die Fürsten, tun, die Christus mit uns bekennen. Wo sie aber das nicht tun, so wird ihnen das Schwert genommen werden (Dan. am 7. Kapitel), denn sie bekennen ihn also mit den Worten und leugnen ihn mit der Tat (Tit. 1). Also sollen sie den Feinden vortragen den Friede (5. Mos. 2): Wollen sie geistlich sein und die Kunst Gottes nicht berechnen (1. Petr. 3), so soll man sie wegtun (1. Kor. 5). Aber ich bitte für sie mit dem frommen Daniel, wo sie Gottes Offenbarung nicht wider sind; wo sie aber das Widerspiel treiben, daß man sie erwürge ohne alle Gnade, wie Hiskia, Josias, Cyrus, Daniel, Elias (1. Kön. 18) die Pfaffen Baals verstöret haben. Anders mag die christliche Kirche zu ihrem Ursprung nicht wieder kommen. Man muß das Unkraut ausraufen aus dem Weingarten Gottes in der Zeit der Ernte, dann wird der schöne rote Weizen beständige Worzeln gewinnen und recht aufgehn (Matth. 13). Die Engel aber, welche ihre Sicheln darzu schärfen, sind die ernsten Knechte Gottes, die den Eifer göttlicher Weisheit vollführen (Mal. 3).

Nebukadnezar vernahm die göttliche Weisheit von Daniel. Er fiel nieder vor ihm, nachdem ihn die kräftige Wahrheit überwunden hatte. Aber er ward bewegt wie ein Rohr vor dem Wind, wie das das 3. Kapitel beweist. Desgleichen sind jetzt über die Maße viel Menschen, die das Evangelium mit großen Freuden annehmen, dieweil es also fein freundlich zugeht (Luk. 8). Aber wenn Gott solche Leute will auf den Test oder aufs Feuer der Bewährung setzen (1. Petr. 1), ach, da ärgern sie sich am allergeringsten Wörtlein, wie Christus im Marco am 4. Kapitel verkündigt hat. In dermaßen werden sich ohne Zweifel viel unversuchter Menschen an diesem Büchlein ärgern, drum daß ich mit Christus sage (Luk. 19 und Matth. 18) und mit Paul (1. Kor. 5) und mit der Unterrichtung des ganzen göttlichen Gesetzes, daß man die gottlosen Regenten, sonderlich Pfaffen und Mönche töten soll, die uns das heil'ge Evangelium Ketzerei schelten und wollen gleichwohl die besten Christen sein. Da wird die heuchlerische angedichtete Gütigkeit über die Maße ergrimmet und erbittert, da will sie dann die Gottlosen verteidigen und sagt, Christus habe niemand getötet, etc. Und will die Freunde Gottes also ganz jämmerlich schlecht dem Winde befehlen, da ist erfüllt die Weissagung Pauli (2. Tim. 3): »In den letzten Tagen werden die Liebhaber der Lüste wohl eine Gestalt der Gütigkeit haben, aber sie werden verleugnen ihre Kraft.« Es hat kein Ding auf Erden eine bessere Gestalt und Larve denn die angedichtete Güte. Drum sind alle Winkel voll eitel Heuchler, unter welchen keiner so kühn ist, daß er die rechte Wahrheit möchte sagen. Drum daß die Wahrheit möchte recht an den Tag gebracht werden, da müßt ihr Regenten (Gott gebe, ihr tut's gerne oder nicht) euch halten nach dem Beschluß dieses Kapitels, daß der Nebukadnezar hat den heiligen Daniel gesetzt zum Amtmann, auf daß er mochte gute rechte Urteile ausführen, wie der Heilige Geist sagt (Ps. 58). Denn die Gottlosen haben kein Recht zu leben, allein was ihnen die Auserwählten wollen gönnen, wie geschrieben steht im Buch des Ausgangs (2. Mos. am 23.): Freut euch, ihr rechten Freunde Gottes, daß den Feinden des Kreuzes das Herz in die Hose gefallen ist! Sie müssen recht tun, wiewohl sie es sich keinmal geträumt haben. So wir nun Gott fürchten, warum wollen wir uns vor losen, untüchtigen Menschen entsetzen (4. Mos. am 14., Jos. am 11.)? Seid nur keck! Der will das Regiment selber haben, dem alle Gewalt ist gegeben im Himmel und auf Erden (Matth. am letzten), der euch, Allerliebsten, bewahr ewig. Amen.


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