MLWerke | Thomas Münzer

Thomas Münzer

Hochverursachte Schutzrede

und Antwort wider das geistlose, sanftlebende Fleisch zu Wittenberg, welches mit verkehrter Weise durch den Diebstahl der Heiligen Schrift die erbärmliche Christenheit also ganz jämmerlichen besudelt hat. Thomas Müntzer, Allstedter


Aus der Höhlen Eliä, welches Ernst niemand verschonet (1. Kön. 18, Matth. 17, Luk. 1, Offb. 11). Anno 1524

Dem durchläuchtigsten, erstgebornen Fürsten und allmächtigen Herren Jesu Christo, dem gütigen König aller Könige, dem tapfern Herzogen allen Gelaubigen, meinem gnädigsten Herrn und getreuem Beschirmer und seiner betrübten, einigen Braut, der armen Christenheit.

Aller Preis, Name, Ehre und Würde, Titel und alle Herrlichkeit sei dir allein, du ewiger Gottessohn (Phil. 2), nachdem dein Heiliger Geist vor den gnadlosen Löwen, den Schriftgelehrten, allezeit solch Glück gehabt, daß er müßte der allerärgste Teufel sein (Joh. 8), wiewohl du ihn ohne Maße von Anbeginn hast (Joh.3), und alle Auserwählte haben ihn von deiner Völle überkommen (Joh. 1), und er in ihnen also wohnet (1. Kor. 3 und 4, 2. Kor. 1, Eph. 1, Ps. 5). Du gibst ihn' allen, die dir entgegenlaufen, nach der Maß ihres Glaubens (Eph. 4, Ps. 68). Und wer ihn nicht hat, daß er seinem Geist unbetrüglich Gezeugnis gebe, der ist dir, Christo, nicht zuständig (Röm. 8). Das unüberwindlich Gezeugnis hast du (Ps. 93).

Derhalben ist es nicht fast groß Wunder, daß der allerehrgeizigster Schriftgelehrter Doktor Lügner je länger je weiter zum hochfärtigen Narren wird und sich mit deiner Heiligen Schrift ohne alles Absterben seines Namen und Gemachs bedeckt und aufs allerbetrüglichst behilft und nichts weniger will mit dir aufs vorderste zu schaffen haben (Jes. am 8. Kap.), gleichwie er deine Urteil (durch dich, die Pforten der Wahrheit) erlangt hätt, und ist also frech vor deinem Angesicht und verachtet zu Boden deinen richtigen Geist. Dann er meldet sich deutlich unwiderrüflich, daß er aus tobendem Neide und durch den allerverbittersten Haß, mich, dein erworben Glied in dir, ohne redliche, wahrhaftige Ursach vor seinen höhnischen, spöttischen, erzgrimmigen Mitgenossen zur Lächerei macht und vor den Einfältigen zur unerstattlichen Ärgernis einen Satan oder Teufel schilt und mit seinem verkehrten, lästerlichen Urteil schmähet und spottet.

In dir bin ich aber wunnsam und hiergegen deines milden Trostes ganz voll gesättigt, wie du auch deinen herzlichen Freunden ganz holdselig vorgetragen hast, sagende (Matth. 10): »Der Schüler hat es nicht besser dann der Meister.« So sie nun dich unschuldigen Herzogen und getrösten Seligmacher also lästerlich haben Beelzebub geheißen, wieviel mehr mich, deinen unverdrossen Landsknecht, nachdem ich mich des schmeichelnden Schelmen zu Wittenberg geäußert hab und deiner Stimm gefolget (Joh. 10). Ja, es muß also hergehn, wo man die sanftlebenden Gutdunkler im gedichten Glauben und in ihren pharisäischen Tücken nicht will lassen recht haben, ihren Namen und Pracht zu niedergehn. Du vermöchtest dasselbig auch nicht vor ihn' überhaben sein. Sie ließen sich auch bedünken, gelehrter zu sein denn du und deine Schuler. Ja, sie waren mit ihrem buchstabischen Trotz wohl gelehrter, denn der Doktor Ludibrii nimmermehr werden kann, sie hätten auch Geschreis und Namens genug in aller Welt. Es war dannoch nicht recht, das sie gegen dir mit ihrem Verstand fürnahmen und wollten's mit der klaren Schrift wider dich beweisen, wie sie dann dem Nicodemo vorworfen (Joh 7) und vom Sabath (Joh 5 und am 9. Kap.) sagten. Sie zogen die ganze Schrift gegen dir, auf's allerhöchst, daß du darum solltest und müssest sterben, daß du dich frei bekennest einen Sohn Gottes, vom ewigen Vater geborn, wie wir deinen Geist. Darum sprachen sie: »Wir haben ein Gesetz, nach des Inhalt muß er sterben !« Denn sie hatten den Text (5. Mos. am 13. und am 18.) auf dich gezerret und möchten sich auch nicht weiter umsehen im selbigen, in aller Maß wie jetzund mir der verschmitzte Schriftstehler tut. Da die Schrift aufweiset am höchsten, verspottet er mit inbrünstigem Neide, nennet den Geist Gottes einen Teufel.

Die ganze Heilige Schrift saget nicht anders (wie auch alle Kreaturen ausweisen) denn vom gekreuzigten Sohne Gottes, derhalben er auch selber anfing vom Mose durch alle Propheten zu eröffnen sein Amt, daß er müßte also leiden und eingehen in den Preis seines Vaters. Dies ist klärlich beschrieben Lukä am letzten Kapitel. Und Paulus sagt auch, daß er nicht anderst denn Christum den Gekreuzigten predigen könne (1. Kor. 1). Nachdem er das Gesetz Gottes tiefer erforschet hätte denn alle seine Mitgenossen (Gal. 1), möchte er doch nichts anders darinnen finden denn den leidenden Sohn Gottes, welcher saget (Matth. 5), daß er nicht gekommen wär, das Gesetz aufzuheben oder den Bund Gottes zerreißen, sondern vielmehr zu vollführen, erklären und erfüllen.

Es möchten dies alles die hässigen Schriftgelehrten nicht erkennen, dann sie erforschten nicht die Schrift aus ganz ihrem Herzen und Geiste, wie ihnen doch gebührete (Ps. 119) und Christus ihnen auch befahl (Joh. 5). Sie warn darinnen gelehret wie die Affen, wöllen dem Schuster Schuh nachmachen und verderben das Leder. Ei warum? Sie wöllen des Heiligen Geists Trost vernehmen und sein ihr Leben lang durch Traurigkeit des Herzens auf ihren Grund nie kommen, wie sich's doch gebühret, soll anderst das rechte Licht leuchten im Finsternis und uns dadurch das Gewalt geben, Kinder Gottes zu sein, wie klärlich beschrieben ist (Ps. 55 und 63, Joh 1).

So nun Christus schon also angenommen durch den Alten und Neuen bezeugten Bund Gottes gepredigt ohn Eröffnung des Geists würde, könnt ein viel ärger verwickelts Affenspiel daraus werden dann mit den Juden und Heiden, wie ein jeder jetzt vor sichtigen Augen siehet, daß die jetzigen Schriftgelehrten nicht anders tun dann vorzeiten die Pharisäer, berühmen sich der Heiligen Schrift, schreiben und klecksen alle Bücher voll und schwatzen immer je länger je mehr: »...Glaube, glaube!« , und verleugen doch die Ankunft des Glaubens, verspotten den Geist Gottes und glauben gar überall nichts, wie du siehst. Es will ihr' keiner predigen, er hab dann 40 oder 50 Gulden. Ja, die besten wollen mehr dann hundert oder zweihundert Gulden haben. Da wird an ihnen wahr die Weissagung Micha (3): »Die Pfaffen predigen um Lohns willen und wollen Ruhe und gute Gemach haben und die allergrößte Würdigkeit auf Erden« , und sich dennoch wissen zu rühmen, sie verstehen den Ursprung und treiben doch wider ihn das allerhöchste Widerspiel, darum, daß sie den richtigen Geist einen irrigen Geist und Satan schelten mit dem Deckel der Heiligen Schrift, wie Christo widerfuhre, da er durch sein Unschuld den Willen seines Vaters verkündigte, welcher den Schriftgelehrten viel zu hoch und verdrießlich war (Joh 5 und 6).

Du findest's nicht anders bis auf den heutigen Tag. Wann die Gottlosen durchs Gesetz beschlossen werden, sagen sie Sie mit großer Leichtfertigkeit: »Ha, es ist aufgehoben!« Wenn es aber ihnen recht erklärt wird, wie es im Herzen geschrieben (2. Kor. 3) und wie man durch Anweisung desselbigen Achtung haben muß, zu betrachten die richtigen Gänge zum Ursprung des Glaubens (Ps. 37), da überfällt der Gottlose den Gerechten und trägt Paulum herfürer mit einem solchen tölpischen Verstand, daß es den Kindern auch zum Puppenspiel wird (Ps. 64). Noch will er der Allerklügste auf Erden sein, daß er sich auch rühmet, er hab keinen gleichen. Darüber nennet er alle armselige Menschen die Schwimmelgeister und mag nicht hören, so man das Wort Geist redet oder lieset. Er muß den klugen Kopf schütteln, der Teufel mag's nicht hören (Spr. 18), so man ihm vom Anfang des Glaubens saget, denn er ist heraußergestoßen. Darum hat er den Gebrauch der Täuscherei (2.Kor. 11). Im höchsten Alphabet der Musiken, Disdiapason, singt er aus Paulo (Röm. 12), man soll sich mit solchen hohen Dingen nicht bekümmern, sonder ebenmachen den geringen. Da schmecket ihm der Brei, nicht anders. Es grauset ihm vor der Suppen zum Früheessen. Er spricht, man soll einfaltig glauben, und sieht nicht, was darzu erforderlich ist. Darum saget Salomon von einem solchen Menschen, daß er ein Stocknarr ist, wie geschrieben stehet Spr. am 24. Kap., sagende: »Dem Narren ist die Weisheit Gottes viel zu hoch.«

Christus fing an von Ursprung wie Moses und erklärt das Gesetz vom Anfang bis zum Ende. Darum sagte er: »Ich bin ein Licht der Welt.« Sein Predigen war also wahrhaftig und also ganz wohl verfasset, daß er die menschlichen Vernunft auch in den Gottlosen gefangennahm, wie der Evangelist Matthäus beschreibt am 13. Kap. und auch Lukas zu verstehn gibt am 2. Kap. Aber da ihnen die Lehre zu hoch ware und die Person und das Leben Christi zu gering, ärgerten sie sich an ihm und seiner Lehre und sagten aus dem Barte, er wäre ein Samaritan und hätte den Teufel. Dann ihr Urteil war nach dem Fleisch gerichtet. Wie es dem Teufel dann daselbst wohlgefällt, mußt es heraußerplatzen. Denn sie mißfielen der Welt nicht, welche gern Bruder Sanftleben ist (Hiob 28). Alles, das sie täten, richteten sie an, daß sie der Welt gefielen (Matth. 6 und 23).

Also tut mir auch das gottlose Wittenbergische Fleisch, nun ich durch den Anfang der Biblien und Ordnung des ersten Unterscheids derselbigen strebe nach der Reinigkeit göttlichs Gesetzs (Ps. 19) und durch alle Urteil erkläre die Erfüllung des Geists der Furcht Gottes (Jes. am 11.), ihme auch nicht zulassen will seine verkehrte Weis, vom Neuen Bunde Gottes zu handeln ohne Erklärung göttlicher Gebot und Ankunft des Glaubens, welche erst nach der Straf des Heiligen Geistes gar erkündiget wird (Joh. am 16.). Denn der Geist straft erst nach Erkenntnis des Gesetzes den Unglauben, welchen niemand erkennet, er habe ihn denn zuvor beherzigt also heftig wie der allerungläubigste Heide. Also haben alle Auserwählte vom Anfang ihren Unglauben erkennet durch Übung des Gesetzes (Röm. 2 und 7). Ich setze Christum mit allen seinen Gliedern zum Erfüller des Gesetzs (Ps. 19). Denn es muß der Wille Gottes und sein Werk zu Boden durch Betrachtung des Gesetzes vollführet werden (Ps. 1, Röm. 12). Sonst würde niemand den Glauben vom Unglauben absondern denn mit gedichter Weise, wie die Juden mit ihrem Sabbat und Schrift taten, ihren Grund nimmer nicht zu vernehmen.

Ich hab dem tückischen Kolkraben (welchen Noah in einer Figur aus der Arche ließ fliegen) nichts anders getan, denn daß ich wie ein einfältige Taube meine Federn geschwungen, durch Silber überzogen, das siebenmal gefegt und am Rücken lassen goldfarb werden (Ps. 68), und überflogen und verhasset das Aas, da er gerne aufsitzet. Denn ich will's an die ganze Welt lassen, daß er den gottlosen Schelmen heuchelt, wie du siehst im Büchlen wider mich, und will sie kurz um verteidigen. Aus welchem dann klar erscheint, daß der Doktor Lügner nicht wohnt im Haus Gottes (Ps. 15). Darum, daß der Gottlose durch ihnen nicht verachtet, sonder viel Gottfürchtiger um der Gottlosen willen Teufel und aufrührische Geister gescholten werden, dies weiß der schwarze Kolkrabe wohl. Daß ihm das Aas werde, hacket er den Schweinen die Augen aus dem Haupt, die wollustigen Leut machet er blind, darum daß er so körre ist, auf daß er ihrer satt werde an Ehren und Gut und sonderlich am allergrößten Titel.

Die Juden wollten Christum allenthalben gerne gelästert und zuschanden machen, wie mit mir jetzt der Luther fürnimmt. Er schilt mich gar heftig und wirft mir für die Gütigkeit des Sohn Gottes und seiner lieben Freund, nachdem ich den Ernst des Gesetzs gepredigt hab, wie es von der Straf wegen der geistlosen Übertreter (wiewohl sie Regenten sein) nicht aufgehoben, sondern mit dem allerhöchsten Ernst vollzogen werden soll, wie denn Paulus seinen Schüler Timetheon und durch ihn alle Seelenwärter unterrichtet (1.Tim.1), dem Volk zu predigen. Er sagt klärlich, daß es die überfallen soll, die wider die gesunde Lehre fechten und streben, wie niemand verneinen kann (5. Mos. am 13. Kap.). Ist das helle klare Urteil beschlossen. Und Paulus fällt es auch über den unkeuschen Übertreter (1. Kor. 5). Wiewohl ich das hab lassen in Druck gehn, wie ich's vorn Fürsten zu Sachsen hab gepredigt, ohne alle Hinterlist ihnen das Schwert aus der Schrift gezeigt, daß sie es sollten brauchen, auf daß nicht Empörung erwüchse. Kurzum, die Übertretung muß gestraft werden, es kann weder der Groß noch der Klein davonkommen (4. Mos. 25).

Gleichwohl kommet Vater Leisentritt, ach, der körre Geselle, und saget, ich wolle Aufruhr machen, wie er dann aus meinem Sendebrief an die Berggesellen erlesen. Eines saget er, und das Allerbescheidenste verschweiget er: Wie ich klärlich vor den Fürsten ausbreitete, daß ein ganze Gemein Gewalt des Schwerts hab wie auch den Schlüssel der Auflösung, und sagte vom Text Dan. 7, Offb. 6 und Röm. 13, 1. Sam. 8, daß die Fürsten keine Herren, sonder Diener des Schwerts sein. Sie sollen's nicht machen, wie es ihnen wohlgefället (5. Mos. 17), sie sollen Recht tun. Darum muß auch aus altem, gutem Brauch das Volk daneben sein, wenn einer recht verrichtet wird nach dem Gesetz Gottes (4. Mos. 15). Ei warum? Ob die Oberkeit das Urteil wöllte verkehren (Jes. 10), so sollen die umstehenden Christen das verneinen und nicht leiden. Denn Gott will Rechenschaft haben vom unschuldigen Blut (Ps. 79). Es ist der allergrößt Greuel auf Erden, daß niemand der Bedürftigen Not sich will annehmen. Die Großen machen's, wie sie wollen, wie Hiob am 41. beschreibt.

Der arme Schmeichler will sich mit Christo in gedichter Gütigkeit decken wider den Text Pauli (1. Tim. 1). Er saget aber im Buch von Kaufshandelung, daß die Fürsten sollen getrost unter die Diebe und Räuber streichen. Im selbigen verschweigt er aber den Ursprung aller Dieberei. Er ist ein Heerhold. Er will Dank verdienen mit der Leute Blutvergießen um zeitlichs Guts willen, welches doch Gott nicht auf seine Meinung befohlen. Sieh zu, die Grundsuppe des Wuchers, der Dieberei und Räuberei sein unser Herrn und Fürsten, nehmen alle Kreaturen zum Eigentum: die Fisch im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden muß alles ihr sein (Jes. 5). Darüber lassen sie dann Gottes Gebot ausgehen unter die Armen und sprechen: »Gott hat geboten: Du sollst nicht stehlen.« Es dient aber ihnen nicht. So sie nun alle Menschen verursachen, den armen Ackermann, Handwerkmann und alles, das da lebt, schinden und schaben (Micha 3. Kap.). So er sich dann vergreift am allergeringesten, so muß er hängen. Da saget denn der Doktor Lügner: Amen. Die Herren machen das selber, daß ihnen der arme Mann feind wird. Die Ursache des Aufruhrs wollen sie nicht wegtun. Wie kann es die Länge gut werden? So ich das sage, muß ich aufrührisch sein ! Wohlhin !

Er kann sich ganz und gar nicht schämen. Wie die Juden (Joh. am 8.) brachten Christo ein Weib, im Ehebruch begriffen, sie versuchten ihn. Ob er den Ernst des Vaters wollt übertreten, hätten sie ihn billig für einen Übeltäter gescholten; so er aber das Weib ohne Bescheid hätt losgegeben, so hätten sie gesagt, er wär ein Verteidiger der Ungerechtigkeit. Christus hat im Evangelio durch seine Gütigkeit des Vaters Ernst erklärt. Die Gütigkeit Gottes strebet über alle Werk seiner Hände (Ps. 145). Sie wird nicht verrückt durch die Pein des Gesetzs, welcher der Auserwählte nicht begehret zu entfliehen. Wie Jeremias sagt und Psalm 7: Er will mit Urteil und nicht im Grimm gestraft sein, welchen Gott von Ewigkeit nie gehabt, sondern er entsprießt aus der verkehrten Furcht der Menschen gegen Gott, die sich von der Pein wegen entsetzen und nicht ansehen, wie sie Gott durch Trügnis in seine Ewigkeit nach aller Pein führe.

Alle Übeltäter der ursprünglichen Mißhandlung der gemeinen Christenheit müssen durch das Gesetz gerechtfertigt werden, wie Paulus saget, auf daß der Ernst des Vaters die gottlosen Christen aus dem Wege räume, die der heilbaren Lehre Christi widerstreben, auf daß die Gerechtcn Weil und Raum haben mögen, Gottes Willen kennen zu lernen. Es wär nimmermehr möglich, daß ein einiger Christ bei solcher Tyrannei könnte seiner Betrachtung wahrnehmeni, so daß Übel durchs Gesetz zu strafen sollte frei sein und der Unschuldige sollte sich also lassen peinigen. Darum, daß sich der gottlose Tyrann behilft wider den Frommen, sagend: »Ich muß dich martern; Christus hat auch gelitten; du sollst mir nicht widerstreben« (Matth. am 5.), das wär ein groß Verderbnis. Es muß höchlich unterscheiden werden, nach dem die Verfolger die besten Christen sein wollen.

Der Teufel hat gar listige Tück, wider Christum und die Seinen zu streben (2. Kor. 6 und 11), jetzt mit schmeichelender Gütigkeit, wie der Luther mit den Worten Christi die Gottlosen verteidigt, jetz auch mit grimmigem Ernst, fürzuwenden von der zeitlichen Güter wegen sein verderbliche Gerechtigkeit. Welchem doch der Finger Christi, der Heilig Geist (2. Kor. 3) nicht den freundlichen Ernst des Gesetzs einbildet und den gekreuzigten Sohn Gottes durch die allerernste Gütigkeit zu Eröffnung göttlichen Willens entgegenhält mit Vergleichung beider (1. Kor. 2). Der verachtet das Gesetz des Vaters und heuchelt durch den allerteurersten Schatz der Gütigkeit Christi und machet den Vater mit seinem Ernst das Gesetzs zuschanden durch die Geduld des Sohnes (Joh. 15 und 16) und verachtet also den Unterschied des Heiligen Geists und verderbet eines mit dem andern, also lange, daß schier kein Urteil auf Erden bleibt (Jer. 5) und daß Christus allein geduldig sei, auf daß die gottlosen Christen ihre Brüder wohl peinigten.

Christus ward für einen Teufel gescholten, da er die Juden auf die Werk Abrahams weisete und gab ihnen den allerbesten Unterschied, zu strafen und zu vergeben. Zu strafen nach dem rechten Ernst. Darum hat er das Gesetz nicht aufgehoben, darum daß er im siebenten Kapitel Johannis vor dem achten sagte: »Ihr sollt ein rechtes Urteil vollführen, nicht nach dem Angesicht.« Es seien ihnen kein andere Urteil, denn im Gesetz beschrieben, fürgehalten, zu richten nach dem Geist des Gesetzes. Also auch mit dem Evangelium zu vergeben, mit dem Geist Christi zur Foderung und keiner Verhinderung des Evangelii (2. Kor. 3 und 13) wie mich dann durch solcher Unterschied der Doktor Lügner zum Teufel machen will mit seinen Schriftgelehrten, sagend: »Hab ich nicht recht gelehret mit meinem Schreiben und Dichten? Du aber hast kein andere Frucht denn aufrührisch sein. Du bist ein Satan und dann noch ein schlechter Satan etc. Sieh du bist ein Samariter und hast den Teufel.«

O Christe, ich schätze mich unwürdig, solches kostbarlichen Leidens mit dir zu tragen in gleicher Sach. Wiewohl des Widersachers Urteil viel geneigter, verkehrter Richter hat, sage ich mit dir dem stolzen, aufgeblasenen, tückischen Drachen: »Hörest du es? Ich hab den Teufel nicht. Ich suche durch mein Amt den Namen Gottes zu verkündigen, Trost den Betrübten, Verstockung und Krankheit den Gesunden« (Jes. 6, Matth. 9, 13, Luk. 8 und 4). Und wenn ich spräche, daß ich das wollte lassen ums bösen Namens willen, der mir mit Lügen wird aufgelegt, so wär ich dir, Doktor Lügner, gleich mit deinem verkehrten Schmähen und Lästern. Du kannst doch anders nicht tun, denn dich mit den Gottlosen schelten. Nun dir aber das geraten ist, hast du dich an der Böswicht Statt gesetzt, die du am allerschändlichsten hast ausgewässert. Nun du vernimmst, es möchte zu tief einreißen, so willst du deinen Namen, da er am ärgsten ist, einen andern, dem die Welt vorhin feind ist, auflegen und dich schön brennen wie der Teufel pflegt, daß ja niemand deiner Bosheit öffentlich innen werde. Darum nennet dich der Prophet (Ps. 91) einen Basiliscum, Drachen, Aspidem und einen Löwen, darum, daß du mit deiner Vergift jetzt schmeichelst, jetzt tobst und wütest, wie deine Art ist.

Der ungetadelte Gottessohn hat die ehrgeizigsten Schriftgelehrten dem Teufel die Bewährung verglichen und uns durch das Evangelium das Urteil zu richten gelassen mit Verfassung seines unbefleckten Gesetzes (Ps. 19). Ihre Begiere waren zu eitel Totschlagen dürstig, denn sie sagten (Joh. am 11.): »So wir ihn lassen bezähmen, dann werden die Leute alle an ihn glauben. Es wird ihm das Volk anhängen. Sehet, es läuft ihm schon mit großen Haufen zu. Werden wir ihn lassen seine Sache also ausführen, so haben wir verloren, so sein wir arme Leut.« Also kam auch Kaiphas, Doktor Lügner, und gab einen guten Rat seinen Fürsten. Da hat er die Sache wohl ausgerichtet. Er hätte Sorge für seine Landsleute hart bei Allstedt. Es ist nicht anders in der Wahrheit, wie mir das ganze Land Gezeugnis gibt, das arme dürstige Volk begehrte der Wahrheit also fleißig, daß auch alle Straßen voll Leute waren von allen Orten, anzuhören, wie das Amt, die Biblien zu singen und zu predigen, zu Allstedt angerichtet ward. Sollte er auch zubrechen, so könnte er's zu Wittenberg nicht tun. Man sieht's in seiner deutschen Meß wohl, wie heilig er darauf war. Welches den Luther also sehr verdroß, daß er zum ersten bei seinen Fürsten zuweg brachte, daß mein Amt nicht sollte in Druck gehen. Da nun des wittenbergischen Papstes Gebot nicht geachtet ward, gedachte er, harre, der Sache will ich wohl raten, daß ich die Wallfahrt zu Trümmer verstöre. Der Gottlose hat einen spitzfindigen Kopf, solch Dinge auszutrachten (Ps. 36). Denn seine Anschläge waren auch also, wie du merken kannst, seine Lehre aufzubringen durch der Laien Haß wider die Pfaffen. Hätte er einen zu strafen rechte Liebe gehabt, so hätte er sich jetzt nicht an die Statt des Papsts gesetzt, und den Fürsten würde er nicht heucheln, wie du klärlich siehst beschrieben Psalm 10. Er hat denselbigen Psalm gar hübsch von ihm selber und nicht allein vom Papst verdolmetscht und will Sankt Peter und Paul zu Bütteln machen, seine Diebhenker damit verfechten.

Der Doktor Lügner ist aber ein einfältiger Mann, daß er schreibt, das Predigen soll man mir nicht wehren. Oder da sollt ihr darauf sehen, spricht er, daß der Geist zu Allstedt die Fäuste still halte. Sehet, lieben Brüder Christi, ob er nicht gelehrt sei. Ja, freilich ist er gelehrt, es wird's die Welt noch in zwei oder drei Jahren nicht innenwerden, welch einen mörderischen, hinterlistigen Schaden er getan hat. Daß er aber also schreibt, da will er seine Hände aufs unschuldigste waschen, daß niemand merken soll, daß er ein Verfolger der Wahrheit sei, dann er trotzet darauf, daß sein Predigen darum das rechte Wort Gottes sei, daß es also große Verfolgung trägt. Es nimmt mich auch sehr wunder, wie es der ausgeschämte Mönch tragen kann, daß er also greulich verfolgt wird bei dem guten Malmasier und bei den Hurnköstlein. Er kann nicht anders tun, denn der Schriftgelehrten Art ist (Joh. 10). »Um deines guten Werks willen wollen wir dir nichts tun, aber um der Lästerung willen wollen wir dich mit Steinen zu Tod werfen.« Also sprachen sie zu Christo wie dieser wider mich, nicht ums Predigens willen, sonder ums Aufruhrs willen soll man dich vertreiben.

Allerliebsten Brüder ! Es ist wahrlich nicht eine schlechte Sache, die jetzt zur Zeit geht. Ihr seid zumal ohne Urteil derselbigen. Ihr wähnet, so ihr den Pfaffen nicht mehr gebt, es sei ausgerichtet. Aber ihr wisset nicht, wie ihr jetzt hundertmal, tausendmal ärger dran seid dann zuvor. Man wird euch fortan mit einer neuen Logik bescheissen, mit Täuscherei des Wort Gottes. Ihr habt aber dagegen den Befehl Christi (Matth. 7). Den betrachtet von Herzen, so wird euch keiner betrügen, er sage oder schreibe, was er will. Ihr müßt aber eben darauf sehen, wie Paulus seine Korinther warnt, sagend (2. Kor. 11): »Sehet, daß eure Sinne nicht verrückt werden von der Einfältigkeit Christi.« Diese Einfältigkeit haben die Schriftgelehrten auf die »vollen Schätz göttlicher Weisheit« gezogen (Kol. 2) wider den Text 1. Mos. 3, da Gott Adam durch ein einiges Gebot warnte vorm zukünftigen Schaden, auf daß er durch der Kreaturen Lüste nicht vermanchfältigt würde, sondern sich allein in Gott belustigte, wie geschrieben: »In Gott sollst du dich belustigen.«

Ein große Ursach will der Doktor Lügner wider mich setzen, wie seine Lehre einfältigt ist, und meint, will's alls durchgrübeln. Doch ist ihm zuletzt nichts gelegen am Predigen, denn es müssen Sekten sein, und bittet, der Fürst soll mir das Predigen nicht wehren. Ich hab nicht anders gehofft, er würde mit dem Worte handeln, mich vor der Welt zu verhören und sich auf den Plan stellen, nicht anders denn vom Wort handeln. So kehret er es um und will die Fürsten dazuhalten, wie es denn ein angelegter Karrn war, auf daß niemand sagt: »Ei, wollen sie dann nun selber das Evangelium verfolgen?« Sie sollen mich lassen predigen, mir das nicht verbieten, aber die Hand soll ich stillhalten, auch in Druck zu schreiben unterlassen. Ja, das ist eine feine Sache gleich wie mit den Juden, sagend: »Um deiner guten Werk willen tun wir dir nichts, aber ums Lästern willen.« Die rechten frommen Leute sagten, wenn einer schon einen Eid täte, wenn er nicht bei der Gabe des Altars schwört, so hindert es gar nichts. Derselbigen Tück brauchten sie gar mächtig viel (Matth. 23, Luk. 11), noch waren sie fromme Leute, ja, sie schadeten nicht, so du nur glaubst, muß man die Schwachen verschone.

Die Lästerung möchte den Juden nicht zu Herzen gehn, wie du aus dem Evangelion greifen kannst. Auch ging sie das gute Werk überall nicht fast anf wie auch den Luther. Darum warf ihn' Gott fürtt das Werk Abrahams (Joh. 8). Es war aber in den Juden ein grimmiger Haß, die sich wollten schöne brennen vor den Leuten, wie jetz Jungfrau Mertin tut, ach, die keusche babylonische Frau (Offb. 18). Er will's alles von 's Worts wegen handeln und will am Wort nicht anfangen, meine Sache zu rechtfertigen oder verdammen, nur schlechte Ursache machen bei den Großen, daß ja niemand meiner Lehre folge, denn sie ist aufrührerisch. Wer hier ein rein Urteil haben will, der muß den Aufruhr nicht lieben, auch muß er füglicher Empörung nicht feind sein. Er muß ein ganz vernünftiges Mittel halten. Sonst muß er meine Lehre anderst zuviel hassen oder zu hoch lieben nach seiner Gelegenheit, des ich nimmermehr begehren will.

Es wäre wohl förderlicher, daß ich mit guter Lehre das arme Volk unterrichtete, denn daß ich mich mit dem lästerlichen Mönche soll in Streit verwickeln, nachdem er will ein neuer Christus sein, welcher mit seinem Blut für die Christenheit viel Guts erworben hat. Und denn noch um einer feinen Sach willen: daß die Pfaffen mögen Weiber nehmen, was soll ich darauf antworten? Ich werde vielleicht nichts finden, denn du hast dich allenthalben (wie du dich dünken läßt) bewahret. Sieh, wie fein hast du die armen Pfaffen in der Erklärung Kaiserlichs Ersten Mandats auf der Fleischbank geopfert, da du sprichst, es würde über sie ergehen etc., auf daß deine angefangne Lehre nicht gerechtfertigt sollt sein. Denn mit Heucheln willst du es gerne zulassen, daß sie immer hinweggenommen würden. So würdest du dann immer neue Märterer gemacht haben und hättest ein Liedlein oder zwei von ihnen gesungen. Dann wärst du allererst ein bestätigter Seligmacher geworden. Freilich würdest du dann auch singen auf deine Weis: »Nunc dimittis« etc., und daß sie dir alle nachsängen: »Mönch, willst du tanzen, so hofiert dir die ganz Welt.«

Bist du aber ein Seligmacher, so mußt du je aber wahrlich ein wunderlicher Seligmacher sein. Christus gibt den Preis seinem Vater (Joh. 8) und sagt: »So ich meine Ehre suche, so ist sie nichts.« Aber du willst von denen von Orlamünde haben, einen großen Titel. Du nimmst und stiehlst (wie des Kolkraben Art ist) den Namen Gottes Sohne und willst von deinen Fürsten Dank verdienen. Hast du nicht gelesen, du hochgelehrter Bube, wie Gott durch Jesajam sagt am 42. Kap.: »Ich will meinen Preis niemand geben« ? Kannst du nicht die guten Leut nennen, wie Paulus Festum in Geschichten der Aposteln am 25. Kap. ? Warum heißt du sie die durchläuchtigen Fürsten? Ist doch der Titel nicht ihrer, ist er doch Christi (Hebr. 1, Joh. 1 und 8). Warum heißt du sie hochgebornen? Ich meinte, du wärest ein Christ, so bist du ein Erzheid, machest Joves und Musas daraus. Vielleicht nicht aus der Scham der Weiber, wie Weish. am 7. Kap., sondern aus der Stirn geboren? Ei, zuviel, zuviel!

Schäme dich, du Erzbube! Willst du dich mit der irrenden Welt Heuchlen zuflicken (Luk. 9) und hast alle Menschen wollen rechtfertigen? Du weißt aber wohl, wen du sollst lästern: die armen Mönch und Pfaffen und Kaufleut können sich nicht wehren, darum hast du sie wohl zu schelten. Aber die gottlosen Regenten soll niemand richten, ob sie schon Christus mit Füßen treten. Daß du aber den Bauern sättigst, schreibst du, die Fürsten werden durch das Wort Gottes zu Scheitern gehn, und sagst in deiner Gloß über das neulicheste Kaiserlich Mandat: Die Fürsten werden von dem Stuhl gestoßen. Du siehst sie auch an vor Kaufleut. Du solltest deine Fürsten auch bei der Nasen rucken, sie haben's wohl viel höher denn vielleicht die andern verdient. Was lassen sie abgehn an ihren Zinsen und Schinderei etc.? Doch daß du die Fürsten gescholten hast, kannst du sie wohl wieder Muts machen, du neuer Papst, schenkest ihnen Klöster und Kirchen, da sind sie mit dir zufrieden. Ich rat dir's ! Der Bauer möcht sonst zufallen ! Das du aber willst immer vom Glauben sagen und schreibst, daß ich unter deinen Schirm und Schutz will wider dich fechten, da sieht man mein Biederkeit und dein Torheit. Unter deinem Schirm und Schutz bin ich gewesen wie das Schaf unterm Wolf (Matth. 10).

Hättest du daselbst nicht größer Macht über mich gehabt denn anderswo? Könntest du das nicht bedenken, was noch daraus erwachsen würde? Darum war ich in deinem Fürstentum, daß du keine Entschuldigung haben solltest. Du sprichst unter unserm Schirm und Schutz. Oho, wie läßt du dich merken! Ich meinet, du seist Fürste mit ! Was darfst du dich mit dem Schirm und Schutz aufblasen? Hab ich doch in allen Sendbriefen seinen Schirm und Schutz nicht wollen haben. Ich hab begehrt, daß er sein eigen Volk nicht wollte scheu machen von des Ziegenstalls wegen und der Marien Bildnis zu Malderbach. Darum er wollt in Flecken und Städtlein fallen und nicht ansehen, daß die armen Leut Tag und Nacht mußten in Gefährlichkeit sitzen ums Evangelions willen. Meinst du, daß ein ganz Land nicht weiß, wie sie schirmen oder schützen? Genade Gott der Christenheit, hat sie nicht ihn zum Schützer, der sie geschaffen hat (Ps. 111).

Du sagst, ich sei drei Jahr vertrieben und herumhergelaufen, und sprichst, ich klag von viel Leiden. Sieh, wie es zusammenstimmt! Du hast mich mit deiner Federn gegen manchem Biedermanne belogen und geschmähet, wie ich dir's kann nachbringen. Du hast mich mit deinem Lästermaul öffentlich einen Teufel gescholten. Ja, du tust allen Widersachern also. Was kannst du anders denn der Kolkrabe, schreit auch nur seinen eigen Namen aus. Du weißt auch wohl mit deinem ungebraten Lorenzen zu Nordhausen, was den Mißtätern schon zu Lohn gegeben, mich zu töten etc. Du bist kein mörderischer oder aufrührischer Geist, aber du hetzest und treibest wie ein Höllhund, daß Herzog Jörge dem Fürsten Friedrich soll ins Land fallen und also den gemeinen Fried aufheben. Noch machst du keinen Aufruhr. Du bist die artige Schlange, die über den Felsen hüpfet (Spr. 30). Christus saget Matthäi 10 und 23: »So sie euch in einer Stadt verfolgen, fliehet in die andern.« Aber dieser Bote, des Teufels sicherlicher Erzkanzler, saget, so ich vertrieben bin, sei ich ein Teufel, und er will's beweren (Matth. 12) und erlangt den Verstand wider den Heiligen Geist, den er bespottet, hauet darüber sich in die Backen (Ps. 27).

Viel unnütz Gespeis und Spott macht er aus göttlichem Wort und spricht, ich heiß es eine himmelische Stimme und die Engel reden mit mir etc. Antwort: Was der allmächtig Gott mit mir machet oder redet, kann ich nicht viel Rühmens von, denn allein, was ich durchs Gezeugnis Gottes dem Volk aus der Heilige Schrift vorsage, und will über Gottes Wille meinen Dünkel nicht predigen. Tu ich's aber, so will ich mich von Gott und durch seine lieben Freunde gern lassen strafen und ihnen erbötig sein, aber dem Spötter bin ich gar nichts schuldig (Spr. 9). Soll ich doch den Häher nicht essen (3. Mos. 11), des gottlosen Spötters Unflat nicht in mich ziehen. Mich wundert deines rechten Musters, nachdem du aus dem Harz bist, möchtest die Geheimnis göttlichen Wortes nicht ein himmlische Sackpfeifen heißen? Da hätte dir dann der Teufel, dein Engel, dein Liedlein aufgepfiffen: »Mönich willst du tanzen, so hofiern dir die Gottlosen alle.«

Ich sag von göttlichem Worte mit seinen mannigfaltigen Schätzen (Kol. 2), welches Moses im 5. Buch am 30. Kap. anträgt, zu lernen, und Paulus zun Römern am 10. Der 85. Psalm sagt, wie es soll gehört werden von denen, die sich von ganzem Herzen bekehren und in der Lehre des Geists alle Urteile von der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes gleich erstrecken. Du aber leugnest das rechte Wort und hältst der Welt nur den Schein für. Darum machst du dich gröblich zu einem Erzteufel, daß du aus dem Text Jesajä ohne allen Verstand Gott machst zur Ursache des Bösen. Ist das nicht die allergrausamste Strafe Gottes über dich? Noch bist du verblendet, und du willst doch auch der Welt Blindenleiter sein - und willst es Gott zur Last legen, daß du ein armer Sünder und ein giftiges Würmlein bist mit deiner beschissen Demut. Das hast du mit deinem fantastischen Verstand angerichtet aus deinem Augustino. Wahrlich eine lästerliche Sache von freiem Willen, die Menschen frech zu verachten !

Du sagst, ich wollte es stracks mit Gewalt geglaubt haben und wollte niemand zu bedenken Zeit geben. Ich sage mit Christo: »Wer aus Gott ist, der hört seine Wort.« Bist du aus Gott? Warum hörst du es nicht? Warum verspottest du es und richtest das, das du nicht befunden hast? Willst du nun erst darauf sinnen, welches du andere Menschen sollest lehren? Du solltest viel billiger ein Krümmer denn ein Richter heißen. Das wird die arme Christenheit wohl innenwerden, wie richtig dein fleischlicher Verstand wider den unbetrüglichen Geist Gottes gehandelt hat. Laß dir Paulus das Urteil sagen (2. Kor. 11). Du hast allezeit mit Einfältigkeit (durch eine Zwiebel angezeigt, die neun Häute hat) gehandelt, alles nach der Fuchsart. Sieh, bist du doch zum Brandfuchs geworden, der vorm Tage heißer bellt. Und nun die rechte Wahrheit will aufgehn, willst du die Kleinen und nicht die Großen schelten, du tust gleich, wie wir Deutschen sagen: Du steigst in Brunn, wie der Fuchs in den einen Eimer trat und fraß die Fische. Danach lockt er dem unsinnigen Wolf in den Brunn in andern Eimer. So fährt er empor, und der Wolf bleibet darunter. Also werden die Fürsten, die dir folgen, auch bestehn und die edlen Strauchhähnlein, welch du an die Kaufleut hetzest. Hesekiel gibt das Urteil vom Fuchs am 13. Kap. und am 34. von den Bestien, wilden Tieren, die Christus Wölfe nennt (Joh. 10). Denen allen wird's gehn wie den gefangen Füchsen (Ps. 73). Wenn die Leut werden erst anfangen, aufs Licht zu warten, so werden die kleinen Hündlein (Matth. 15. Kap.) zu den Füchsen ins Loch laufen. Da werden sie nicht mehr können denn ein wenig vorn ins Maul beißen. Der frisch Hund aber schüttelt dem Fuchs das Fell. Er muß aus dem Loch. Er hat der Hühner genug gefressen.

Sieh, Martin, hast du diesen Braten nicht gerochen vom Fuchs, den man zu Herrenhof für einen Hasen den unerfahrnen Wildschützen gibt? Du Esau hast es wohl verdient, daß dich der Jakob verdrücke. Warum hast du dein Recht um deiner Suppen willen verkauft?

Hesekiel sagt dir's am 13. und Micha am 3.: Du hast die Christenheit mit einem falschen Glauben verwirrt und kannst sie, nun die Not hergehet, nicht berichtigen. Darum heuchelst du mit den Fürsten. Du meinst aber, es sei gut geworden, so du einen großen Namen überkommen hast, und kommst ohne Ende, wie du zu Leipzig vor der allerfährlichsten Gemeinde gestanden bist. Was willst du die Leute blind machen? Dir war also wohl zu Leipzig. Fuhrest du doch mit Nelkenkränzlein zum Tor hinaus und trankest des guten Weins zum Melchior Lotter. Daß du aber zu Augsburg warst, möchte dir zu keiner Gefährlichkeit gelangen, dann Stupicianum Oraculum stand hart bei dir. Er mochte dir wohl helfen. Aber jetzt ist er von dir abgewichen und ein Abt geworden. Ich hab sicherlich Sorge, du wirst ihm folgen. Der Teufel steht wahrlich nicht in der Wahrheit. Er kann seine Tücke nicht lassen. Doch er fürchtet sich im Büchlein vom Aufruhr vor der Prophezei seines Greuels. Darum sagt er auch von den neuen Propheten wie die Schriftgelehrten wider Christus (Joh. 8. Kap.). Darum hab ich fast das ganz Kapitel zum gegenwärtigen Urteil genützt. Paulus sagt von Propheten (1. Kor. 14): »Ein rechter Prediger muß ja ein Prophet sein, wann es die Welt noch also spöttisch dünkt.«

Es muß die ganz Welt prophetisch sein, soll sie anders urteilen über die falschen Propheten. Wie willst du die Leute beurteilen, so du dich im Mönchkalbe des Amts entäußerst? Daß du sagest, wie du mich ins Maul geschlagen hast, redest du die Unwahrheit. Ja, du lügst in deinen Hals spießtief. Bin ich doch in sechs oder sieben Jahren nicht bei dir gewesen. Hast du aber die guten Brüder zu Narren gemacht, die bei dir gewesen sind, das muß freilich an den Tag kommen. Es wird sich auch anders nicht reimen. Du solltest die Kleinen nicht verachten (Matth. 18).

Über deinem Rühmen möchte einer wohl entschlafen vor deiner unsinnigen Torheit. Daß du zu Worms vorm Reich gestanden bist, Dank hab der deutsche Adel, dem du das Maul also wohl bestrichen hast und Honig gegeben. Denn er wähnte nicht anders, du würdest mit deinem Predigen beheimische Geschenke geben, Klöster und Stifte, welche du jetzt den Fürsten verheißest. So du zu Worms hättest gewankt, wärst du eher erstochen vom Adel worden denn losgegeben. Weiß doch ein jeder! Du darfst es wahrlich dir nicht zuschreiben, du wolltest dann noch einmal dein edles Blut, wie du dich rühmst, darum wagen. Du gebrauchst daselbst mit den Deinen wilder Tück und List. Du ließest dich durch deinen Rat gefangennehmen und stellst dich gar unleidlich. Wer sich auf deine Schalkheit nicht verstände, schwür wohl zun Heiligen, du wärst ein frommer Martin. Schlaf sanft, liebes Fleisch! Ich röche dich lieber gebraten in deinem Trotz durch Gottes Grimm im Hafen oder Topf beim Feur (Jer. 1). Dann, in deinem eigen Södlein gekocht, sollte dich der Teufel fressen (Hes. 23). Du bist ein eselisch Fleisch, du würdest langsam gar werden und ein zähs Gerichte werden deinen Milchmäulern.

Ihr allerliebsten Brüder in Christo! Ich bin zum Anfang des Zanks müde geworden um der unausschlaglichen Ärgernis des armen Haufens. Hätte aber mich Doktor Lügner predigen lassen oder mich vorm Volk überwunden oder seine Fürsten, da ich zu Weimar vor ihnen war, lassen richten, da sie mich durch Antragen desselben Mönchs fragten, so wollte ich viel lieber dieser Sach müßig gegangen sein.

Es ward endlich beschlossen, der Fürst wollte den ernsten Richter zum Jüngsten Tag die Sache lassen hinausführen. Er wollte den Tyrannen nicht wehren, die ums Evangelium willen wollten in sein Pfleg fallen. Es wäre fein, wenn es auch dem Gericht befohlen würde. So würden's die Bauern wohl sehen. Es wäre ein feines Ding, daß man es alles aufs Jüngste Urteil bezöge. So hätten die Bauern auch gute Sache. Wenn sie sollten recht tun, sprächen sie: »Ich spar's für den Richter.« Aber die Rute der Gottlosen ist dazwischen das Mittel.

Da ich heimkam von der Verhörung zu Weimar, meinte ich zu predigen das ernste Wort Gottes. Da kamen meine Ratsherren und wollten mich den höchsten Feinden des Evangeliums überantworten. Da ich das vernahm, war meines Bleibens nimmer. Ich wischte meine Schuh von ihrem Staub, dann ich sah mit meinen sichtigen Augen, daß sie viel mehr ihre Eide und Pflichte denn Gottes Wort achteten. Sie nahmen sich vor, zwei Herrn gegeneinander zu dienen, so ihnen doch Gott aufs allerscheinbarste beistand, der sie erlöst hat aus der Gewalt des Bären und Löwen, hätte sie auch erlöst von der Hand Goliath (1. Sam. 17), wiewohl sich der Goliath auf seinen Panzer und Schwert verließ. So wird's ihn der David wohl lehren. Saul fing auch etwas Gutes an, aber David nach langem Umtreiben mußte es vollführen welcher eine Figur deiner, o Christus, in deinen lieben Freunden, welche du fleißig bewahrest ewig. Amen.

Anno MDXXIIII Vulpis / Fecisti merere mendaciter cor iusti: quem dominus non contristavit. Confortastique manus impiorum tuorum: ne revertantur a via sua mala: ob id peribis: et populus dei liberabitur a tyrannide tua. Tu videbis deum esse dominum. Ezechielis XIII. capitulo.

Das ist verdolmetscht: O Doktor Lügner, du tückischer Fuchs, du hast durch deine Lügen das Herz des Gerechten traurig gemacht, den Gott nicht betrübt hat. Damit hast du gestärkt die Gewalt der gottlosen Böswichter, auf daß sie je ja auf ihrem alten Wege bleiben. Darum wird dir's gehen wie einem gefangenen Fuchs. Das Volk wird frei werden, und Gott will allein der Herr darüber sein !


Pfad: «../mu/»
Verknüpfte Dateien: «../format.css»


MLWerke | Thomas Münzer