31. Kapitel. Geldkapital und wirkliches Kapital II | Inhalt | 33. Kapitel. Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 25, "Das Kapital", Bd. III, Fünfter Abschnitt, S. 521 - 535
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1983

ZWEIUNDDREISSIGSTES KAPITEL
Geldkapital und wirkliches Kapital III
(Schluß)

<521> Die Masse des so in Kapital rückzuverwandelnden Geldes ist Resultat des massenhaften Reproduktionsprozesses, aber für sich betrachtet, als leihbares Geldkapital, ist sie nicht selbst Masse von reproduktivem Kapital.

Das Wichtigste von dem bisher Entwickelten ist, daß die Ausdehnung des Teils der Revenue, der zur Konsumtion bestimmt ist (wobei vom Arbeiter abgesehn wird, weil seine Revenue = dem variablen Kapital), zunächst als Akkumulation von Geldkapital sich darstellt. Es geht also ein Moment in die Akkumulation des Geldkapitals ein, das wesentlich verschieden ist von der wirklichen Akkumulation des industriellen Kapitals; denn der zur Konsumtion bestimmte Teil des jährlichen Produkts wird in keiner Weise Kapital. Ein Teil davon ersetzt Kapital, d.h. das konstante Kapital der Produzenten von Konsumtionsmitteln, aber, soweit er wirklich sich in Kapital verwandelt, existiert er in der Naturalform der Revenue der Produzenten dieses konstanten Kapitals. Dasselbe Geld, das die Revenue repräsentiert, das als bloßer Vermittler der Konsumtion dient, verwandelt sich regelmäßig für eine Zeitlang in leihbares Geldkapital. Soweit dies Geld Arbeitslohn darstellt, ist es zugleich die Geldform des variablen Kapitals; und soweit es das konstante Kapital der Produzenten von Konsumtionsmitteln ersetzt, ist es die Geldform, die ihr konstantes Kapital momentan annimmt, und dient zum Ankauf der Naturalelemente ihres zu ersetzenden konstanten Kapitals. Weder in der einen noch in der andern Form drückt es an sich Akkumulation aus, obgleich seine Masse wächst mit dem Umfang des Reproduktionsprozesses. Aber es verrichtet zeitweilig die Funktion von ausleihbarem Geld, also von Geldkapital. Nach dieser Seite hin muß also die Akkumulation des Geldkapitals immer eine größere Akkumulation von Kapital widerspiegeln, als wirklich vorhanden ist, indem die Ausdehnung der individuellen Konsumtion, weil vermittelt durch Geld, als Akkumula- <522> tion von Geldkapital erscheint, weil sie die Geldform liefert für wirkliche Akkumulation, für Geld, das neue Kapitalanlagen eröffnet.

Die Akkumulation des leihbaren Geldkapitals drückt also zum Teil nichts aus als die Tatsache, daß alles Geld, worin das industrielle Kapital im Prozeß seines Kreislaufs sich verwandelt, die Form annimmt, nicht von Geld, das die Reproduktiven vorschießen, sondern von Geld, das sie borgen; so daß in der Tat der Vorschuß des Geldes, der im Reproduktionsprozeß geschehn muß, als Vorschuß von geliehenem Geld erscheint. In der Tat leiht auf Grundlage des kommerziellen Kredits der eine dem andern das Geld, das er im Reproduktionsprozeß braucht. Dies nimmt nun aber die Form an, daß der Bankier, dem ein Teil der Reproduktiven es leiht, es dem andern Teil der Reproduktiven leiht, wobei dann der Bankier als der Segenspender erscheint; und zugleich, daß die Verfügung über dies Kapital ganz in die Hände der Bankiers als Mittelspersonen gerät.

Es sind nun noch einige besondre Formen der Akkumulation von Geldkapital anzuführen. Es wird Kapital freigesetzt, z.B. durch Fall im Preis der Produktionselemente, Rohstoffe etc. Kann der Industrielle nicht unmittelbar seinen Reproduktionsprozeß ausdehnen, so wird ein Teil seines Geldkapitals als überschüssig aus dem Kreislauf abgestoßen und verwandelt sich in leihbares Geldkapital. Zweitens aber wird Kapital in Geldform freigesetzt, namentlich beim Kaufmann, sobald Unterbrechungen im Geschäft eintreten. Hat der Kaufmann eine Reihe von Geschäften erledigt und kann infolge solcher Unterbrechungen die neue Reihe erst später beginnen, so repräsentiert das realisierte Geld für ihn nur Schatz, überschüssiges Kapital. Aber zugleich stellt es unmittelbar Akkumulation von leihbarem Geldkapital dar. Im ersten Fall drückt die Akkumulation des Geldkapitals Wiederholung des Reproduktionsprozesses unter günstigern Bedingungen aus, wirkliches Freiwerden eines Teils des früher gebundnen Kapitals, also Befähigung zur Erweiterung des Reproduktionsprozesses mit denselben Geldmitteln. Im andern Fall dagegen bloße Unterbrechung des Flusses der Transaktionen. Aber in beiden Fällen verwandelt es sich in leihbares Geldkapital, stellt Akkumulation desselben dar, wirkt gleichmäßig auf Geldmarkt und Zinsfuß, obgleich es hier Beförderung, dort Hemmung des wirklichen Akkumulationsprozesses ausdrückt. Endlich wird Akkumulation von Geldkapital bewirkt durch die Anzahl von Leuten, die ihr Schäfchen ins trockne gebracht und die sich von der Reproduktion zurückziehn. Je mehr Profite im Lauf des industriellen Zyklus gemacht worden, desto größer ihre Anzahl. Hier drückt die Akkumulation des leihbaren Geldkapitals einerseits wirkliche Akkumulation aus (ihrem relativen Umfang nach); andrerseits bloß den <523> Umfang der Verwandlung industrieller Kapitalisten in bloße Geldkapitalisten.

Was nun den andern Teil des Profits angeht, der nicht bestimmt ist, als Revenue konsumiert zu werden, so verwandelt er sich nur in Geldkapital, wenn nicht unmittelbar anwendbar zur Erweiterung des Geschäfts in der Produktionssphäre, worin er gemacht ist. Dies kann aus zwei Gründen herrühren. Entweder weil diese Sphäre mit Kapital gesättigt ist. Oder weil die Akkumulation, um als Kapital fungieren zu können, erst einen gewissen Umfang erreicht haben muß, je nach den Maßverhältnissen der Anlage von neuem Kapital in diesem bestimmten Geschäft. Sie verwandelt sich also zunächst in leihbares Geldkapital und dient zur Erweiterung der Produktion in andren Sphären. Alle andren Umstände als gleichbleibend angenommen, wird die Masse des zur Rückverwandlung in Kapital bestimmten Profits abhängen von der Masse des gemachten Profits und daher von der Ausdehnung des Reproduktionsprozesses selbst. Stößt aber diese neue Akkumulation in ihrer Anwendung auf Schwierigkeiten, auf Mangel an Anlagesphären, findet also Überfüllung der Produktionszweige und Überangebot von Leihkapital statt, so beweist diese Plethora des leihbaren Geldkapitals nichts als die Schranken der kapitalistischen Produktion. Der nachfolgende Kreditschwindel beweist, daß kein positives Hindernis der Anwendung dieses überflüssigen Kapitals besteht. Wohl aber ein Hindernis vermöge seiner Verwertungsgesetze, vermöge der Schranken, worin sich das Kapital als Kapital verwerten kann. Plethora von Geldkapital als solchem drückt nicht notwendig Überproduktion aus, noch auch nur Mangel an Verwendungssphären für Kapital.

Die Akkumulation des Leihkapitals besteht einfach darin, daß Geld sich als verleihbares Geld niederschlägt. Dieser Prozeß ist sehr verschieden von der wirklichen Verwandlung in Kapital; es ist nur die Akkumulation von Geld in einer Form, worin es in Kapital verwandelt werden kann. Diese Akkumulation kann aber, wie nachgewiesen, Momente ausdrücken, die von der wirklichen Akkumulation sehr verschieden sind. Bei beständiger Erweiterung der wirklichen Akkumulation kann diese erweiterte Akkumulation von Geldkapital teils ihr Resultat sein, teils das Resultat von Momenten, die sie begleiten, aber ganz von ihr verschieden sind, teils endlich auch das Resultat sogar von Stockungen der wirklichen Akkumulation. Schon weil die Akkumulation von Leihkapital angeschwellt wird durch solche, von der wirklichen Akkumulation unabhängige, aber dennoch sie begleitende Momente, muß in bestimmten Phasen des Zyklus beständig Plethora von Geldkapital stattfinden und diese Plethora mit der Ausbildung des Kredits sich <524> entwickeln. Mit ihr muß sich also zugleich die Notwendigkeit entwickeln, den Produktionsprozeß über seine kapitalistischen Schranken hinauszutreiben: Überhandel, Überproduktion, Überkredit. Gleichzeitig muß dies stets in Formen geschehn, die einen Rückschlag hervorrufen.

Was die Akkumulation des Geldkapitals aus Grundrente, Arbeitslohn etc. angeht, so es ist überflüssig, hier darauf einzugehn. Nur dies Moment ist hervorzuheben, daß das Geschäft des wirklichen Sparens und Entsagens (durch Schatzbildner), soweit es Elemente der Akkumulation liefert, durch die Teilung der Arbeit im Fortschritt der kapitalistischen Produktion denen überlassen wird, die das Minimum solcher Elemente beziehn und oft genug noch ihr Erspartes verlieren, wie die Arbeiter bei Falliten von Banken. Einerseits wird das Kapital des industriellen Kapitalisten nicht von ihm selbst "erspart", sondern im Verhältnis zur Größe seines Kapitals verfügt er über fremde Ersparungen; andrerseits macht der Geldkapitalist die fremden Ersparungen zu seinem Kapital und den Kredit, den sich die reproduktiven Kapitalisten untereinander geben und den ihnen das Publikum gibt, zu seiner privaten Bereicherungsquelle. Die letzte Illusion des kapitalistischen Systems, als ob Kapital der Sprößling eigner Arbeit und Ersparung wäre, geht damit in die Brüche. Nicht nur besteht der Profit in Aneignung fremder Arbeit, sondern das Kapital, womit diese fremde Arbeit in Bewegung gesetzt und ausgebeutet wird, besteht aus fremdem Eigentum, das der Geldkapitalist dem industriellen Kapitalisten zur Verfügung stellt und wofür er diesen seinerseits exploitiert.

Es ist noch einiges über das Kreditkapital zu bemerken.

Wie oft dasselbe Geldstück als Leihkapital figurieren kann, hängt, wie schon oben entwickelt, ganz davon ab

1. wie oft es Warenwerte in Verkauf oder in Zahlung realisiert, also Kapital überträgt, und ferner davon, wie oft es Revenue realisiert. Wie oft es in andre Hand kommt als realisierter Wert, sei es von Kapital oder Revenue, hängt daher offenbar ab von Umfang und Masse der wirklichen Umsätze;

2. hängt dies ab von der Ökonomie der Zahlungen und von der Entwicklung und Organisation des Kreditwesens;

3. endlich von der Verkettung und Aktionsgeschwindigkeit der Kredite, so daß, wenn es an einem Punkt als Depositum niederfallt, es auf dem andern sofort wieder als Anleihe hinausgeht.

Selbst gesetzt, die Form, worin das Leihkapital existiert, sei bloß die des wirklichen Geldes, Goldes oder Silbers, der Ware, deren Stoff als Maß der Werte dient, so ist notwendig stets ein großer Teil dieses Geldkapitals bloß <525> fiktiv, d.h. Titel auf Wert, ganz wie die Wertzeichen. Soweit Geld fungiert im Kreislauf des Kapitals, bildet es zwar für einen Moment Geldkapital; aber es verwandelt sich nicht in leihbares Geldkapital, sondern wird entweder ausgetauscht gegen die Elemente des produktiven Kapitals, oder bei Realisierung der Revenue als Umlaufsmittel weggezahlt und kann sich also nicht für seinen Besitzer in Leihkapital verwandeln. Soweit es sich aber in Leihkapital verwandelt und dasselbe Geld wiederholt Leihkapital vorstellt, ist klar, daß es nur an einem Punkt als metallisches Geld existiert; an allen andern Punkten existiert es nur in der Form von Anspruch auf Kapital. Die Akkumulation dieser Ansprüche, nach der Voraussetzung, entspringt aus der wirklichen Akkumulation, d.h. aus der Verwandlung des Werts des Warenkapitals etc. in Geld; aber dennoch ist die Akkumulation dieser Ansprüche oder Titel als solche verschieden, sowohl von der wirklichen Akkumulation, der sie entspringt, wie von der zukünftigen Akkumulation (dem neuen Produktionsprozeß), welche durch das Ausleihen des Geldes vermittelt wird.

Prima facie existiert das Leihkapital immer in der Form des Geldes (9), später als Anspruch auf Geld, indem das Geld, worin es ursprünglich <526> existiert, nun in der Hand des Borgers in wirklicher Geldform vorhanden ist. Für den Verleiher hat es sich in Anspruch auf Geld, in einen Eigentumstitel verwandelt. Dieselbe Masse wirkliches Geld kann daher sehr verschiedene Massen von Geldkapital vorstellen. Bloßes Geld, ob es realisiertes Kapital oder realisierte Revenue vorstellt, wird Leihkapital durch den bloßen Akt des Ausleihens, durch seine Verwandlung in Depositum, wenn wir die allgemeine Form bei entwickeltem Kreditsystem betrachten. Das Depositum ist Geldkapital für den Depositor. Es mag aber in der Hand des Bankiers nur potentielles Geldkapital sein, das m seiner Kasse brachliegt statt in der seines Eigentümers. (10)

<527> Mit dem Wachstum des stofflichen Reichtums wächst die Klasse der Geldkapitalisten; es vermehrt sich einerseits die Zahl und der Reichtum der sich zurückziehenden Kapitalisten, der Rentiers; und zweitens wird die Entwicklung des Kreditsystems gefördert und damit die Zahl der Bankiers, Geldverleiher, Finanziers etc. vermehrt. - Mit der Entwicklung des disponiblen Geldkapitals entwickelt sich die Masse der zinstragenden Papiere, Staatspapiere, Aktien etc., wie früher entwickelt. Aber damit zugleich die Nachfrage nach disponiblem Geldkapital, indem die Jobbers, die in diesen Papieren Spekulationsgeschäfte machen, eine Hauptrolle im Geldmarkt spielen. Wären alle Käufe und Verkaufe dieser Papiere nur der Ausdruck wirklicher Kapitalanlage, so wäre es richtig zu sagen, daß sie nicht auf die Nachfrage nach Leibhkapital wirken können, indem, wenn A sein Papier verkauft, er gerade so viel Geld herauszieht, wie B in das Papier steckt. Indes selbst dann, da das Papier zwar existiert, aber nicht das Kapital (wenigstens nicht als Geldkapital), das es ursprünglich vorstellt, erzeugt es immer pro tanto neue Nachfrage für solches Geldkapital. Aber jedenfalls ist es dann Geldkapital, worüber früher B, jetzt A disponiert.

B.A. 1857. Nr. 4886: "Ist es nach Ihrer Ansicht eine richtige Angabe der Ursachen, die die Diskontorate bestimmen, wenn ich sage, daß sie geregelt wird durch die Menge des im Markt befindlichen Kapitals, das verwendbar ist für den Diskonto von Handelswechseln, im Unterschied von andern Arten von Wertpapieren?" - {Chapman:} "Nein; ich halte dafür, daß der Zinsfuß affiziert wird durch alle leichtkonvertiblen Wertpapiere (all convertible securities of a current character); es würde unrecht sein, die Frage einfach auf den Wechseldiskonto zu beschränken; denn wenn große Nachfrage für Geld besteht auf" {Depot von} "Konsols, oder selbst Schatzscheine, wie das neuerdings stark der Fall war, und zu einem viel höhern als dem kommerziellen Zinsfuß, so wäre es absurd, zu sagen, daß unsre Handelswelt nicht davon berührt würde; sie wird sehr wesentlich davon berührt." - 4890. "Wenn gute und gangbare Wertpapiere, wie Bankiers sie als solche anerkennen, im Markt sind und die Eigner Geld darauf aufnehmen wollen, so hat das ganz sicher seine Wirkung auf Handelswechsel; ich kann z.B. nicht erwarten, daß ein Mann mir sein Geld zu 5% auf Handelswechsel gibt, wenn er dies Geld gleichzeitig zu 6% auf Konsols usw. ausleihen kann; es affiziert uns in derselben Weise; niemand kann von mir verlangen, daß ich seine Wechsel zu 5 1/2% diskontiere, wenn ich mein Geld zu 6% ausleihen kann." - 4892. "Von Leuten, die für 2.000 Pfd.St. oder 5.000 Pfd.St. oder 10.000 Pfd.St. Wertpapiere als feste Kapitalanlagen kaufen, sprechen wir nicht, als ob sie wesentlich auf den Geldmarkt einwirken. Wenn Sie mich fragen nach dem Zinsfuß auf" {Depot von} "Konsols, so spreche ich von Leuten, die Geschäfte zum Betrag von Hunderttausenden machen, von sogenannten Jobbers, die große Beträge öffentlicher Anleihen zeichnen oder im Markt kaufen und die dann diese Papiere halten müssen, bis sie sie mit einem Profit loswerden können; diese Leute müssen zu diesem Zweck Geld aufnehmen."

<528> Mit der Entwicklung des Kreditwesens werden große konzentrierte Geldmärkte geschaffen, wie London, die zugleich Hauptsitze des Handels in diesen Papieren sind. Die Bankiers stellen dem Gelichter dieser Händler das Geldkapital des Publikums massenhaft zur Verfügung, und so wächst diese Brut von Spielern.

"Geld ist auf der Effektenbörse gewöhnlich wolhlfeiler als irgendwo anders", sagt 1848 der damalige Gouverneur der Bank v. E. <James Morris> vor dem geheimen Komitee der Lords. (C.D. 1848, printed 1857, Nr. 219.)

Es ist bereits bei Betrachtung des zinstragenden Kapitals dargestellt worden, daß der Durchschnittszins für eine längere Reihe von Jahren, bei sonst gleichbleibenden Umständen, bestimmt wird durch die Durchschnittsrate des Profits, nicht des Unternehmergewinns, der selbst nichts ist als der Profit minus dem Zins <siehe Seite 370ff.>.

Daß auch für die Variationen des kommerziellen Zinses - des Zinses, der für Diskontierungen und Anleihen innerhalb des Kreises der Handelswelt von den Geldverleihern berechnet wird - im Verlauf des industriellen Zyklus eine Phase eintritt, wo der Zinsfuß sein Minimum übersteigt und die mittlere Durchschnittshöhe erreicht (die er dann später überschreitet), und wo diese Bewegung Folge des Steigens des Profits ist -, auch dies ist bereits erwähnt und wird noch weiter untersucht werden.

Indes ist hier zweierlei zu bemerken:

Erstens: Wenn der Zinsfuß sich für längere Zeit hochhält (wir sprechen hier vom Zinsfuß in einem gegebnen Land wie England, wo der mittlere Zinsfuß für längere Zeit gegeben ist und sich auch darstellt in dem für Anleihen auf längere Perioden bezahlten Zins, was man Privatzins nennen kann), so ist dies prima facie Beweis, daß während dieser Zeit die Rate des Profits hoch ist, beweist aber nicht notwendig, daß die Rate des Unternehmergewinns hoch ist. Dieser letztere Unterschied fällt mehr oder weniger weg für Kapitalisten, die vorwiegend mit eignem Kapital arbeiten: sie realisieren die hohe Rate des Profits, da sie sich den Zins selbst zahlen. Die Möglichkeit länger dauernden hohen Zinsfußes - wir sprechen hier nicht von der Phase der eigentlichen Klemme - ist gegeben mit hoher Rate des Profits. Es ist aber möglich, daß diese hohe Profitrate, nach Abzug der hohen Zinsrate, nur eine niedrige Rate des Unternehmergewinns übrigläßt. Diese letztere mag einschrumpfen, während die hohe Profitrate fortdauert. Es ist dies möglich, weil die einmal in Angriff genommenen Unternehmungen fortgeführt werden müssen. In dieser Phase wird stark mit bloßem <529> Kreditkapital (fremdem Kapital) gearbeitet; und die hohe Profitrate kann stellenweise spekulativ, prospektiv sein. Hohe Zinsrate kann gezahlt werden mit hoher Profitrate, aber abnehmendem Unternehmergewinn. Sie kann gezahlt werden - und dies ist z.T. der Fall in Zeiten der Spekulation - nicht aus dem Profit, sondern aus dem geborgten fremden Kapital selbst, und dies kann eine Zeitlang fortdauern.

Zweitens: Der Ausdruck, daß die Nachfrage nach Geldkapital und daher die Zinsrate wächst, weil die Profitrate hoch, ist nicht identisch damit, daß die Nachfrage nach industriellem Kapital wächst und daher die Zinsrate hoch ist.

In Zeiten der Krise erreicht die Nachfrage nach Leihkapital und damit die Zinsrate ihr Maximum; die Profitrate und mit ihr die Nachfrage nach industriellem Kapital ist so gut wie verschwunden. In solchen Zeiten borgt jeder nur, um zu zahlen, um bereits eingegangne Verpflichtungen abzuwickeln. Dagegen in Zeiten der Wiederbelebung nach der Krise wird Leihkapital verlangt, um zu kaufen und um das Geldkapital in produktives oder kommerzielles Kapital zu verwandeln. Und dann wird es verlangt entweder vom industriellen Kapitalisten oder vom Kaufmann. Der industrielle Kapitalist legt es aus in Produktionsmitteln und in Arbeitskraft.

Die steigende Nachfrage nach Arbeitskraft kann an sich nie Grund sein für steigenden Zinsfuß, soweit er durch die Profitrate bestimmt wird. Höherer Arbeitslohn ist nie Grund eines höhern Profits, obgleich er, besondre Phasen des industriellen Zyklus betrachtet, eine seiner Folgen sein kann.

Es kann die Nachfrage nach Arbeitskraft zunehmen, weil die Exploitation der Arbeit unter besonders günstigen Umständen vor sich geht, aber die steigende Nachfrage nach Arbeitskraft und daher nach variablem Kapital vermehrt an und für sich nicht den Profit, sondern schmälert ihn pro tanto. Dennoch kann aber damit die Nachfrage nach variablem Kapital zunehmen, also auch die Nachfrage nach Geldkapital, und dies den Zinsfuß erhöhen. Der Marktpreis der Arbeitskraft steigt dann über seinen Durchschnitt, es wird eine mehr als die durchschnittliche Zahl von Arbeitern beschäftigt, und gleichzeitig steigt der Zinsfuß, weil mit jenen Umständen die Nachfrage nach Geldkapital. Die steigende Nachfrage nach Arbeitskraft verteuert diese Ware wie jede andre, steigert ihren Preis, aber nicht den Profit, der hauptsächlich auf der relativen Wohlfeilheit gerade dieser Ware beruht. Sie erhöht aber zugleich - unter den vorausgesetzten Umständen - die Zinsrate, weil sie die Nachfrage nach Geldkapital erhöht. Verwandelte sich der Geldkapitalist, statt das Geld auszuleihen, in einen Industriellen, so <530> würde der Umstand, daß er die Arbeit teurer zu zahlen hat, an und für sich seinen Profit nicht erhöhen, sondern pro tanto vermindern. Die Konjunktur der Umstände mag so sein, daß trotzdem sein Profit steigt, aber nie weil er die Arbeit teurer zahlt. Der letztre Umstand, soweit er die Nachfrage nach Geldkapital vermehrt, ist aber hinreichend, um die Zinsrate zu erhöhen. Stiege aus irgendwelchen Ursachen der Arbeitslohn, bei sonst ungünstigen Konjunkturen, so würde das Steigen des Arbeitslohns die Profitrate senken, aber die Zinsrate steigern in dem Maß, wie es die Nachfrage nach Geldkapital vermehrte.

Von der Arbeit abgesehn, besteht das, was Overstone die "Nachfrage nach Kapital" nennt, nur in Nachfrage nach Waren. Die Nachfrage nach Waren steigert ihren Preis, sei es, daß sie über den Durchschnitt steigt, oder daß die Zufuhr unter den Durchschnitt fällt. Wenn der industrielle Kapitalist oder Kaufmann jetzt z.B. 150 Pfd.St. für dieselbe Warenmasse zu zahlen hat, wofür er früher 100 Pfd.St. zahlte, so hätte er 150 Pfd.St. anzuleihen, wo sonst 100 Pfd.St., und hätte daher bei 5% Zins 71/2 Pfd.St. zu zahlen, wo er sonst 5 Pfd.St. zahlte. Die Masse des von ihm zu zahlenden Zinses würde steigen, weil die Masse des geborgten Kapitals.

Der ganze Versuch des Herrn Overstone besteht darin, die Interessen des Leihkapitals und des industriellen Kapitals als identisch darzustellen, während sein Bankakt gerade darauf berechnet ist, die Differenz dieser Interessen zum Vorteil des Geldkapitals auszubeuten.

Es ist möglich, daß die Nachfrage nach Waren, im Fall ihre Zufuhr unter den Durchschnitt gefallen, nicht mehr Geldkapital absorbiert als früher. Es ist dieselbe Summe, vielleicht eine kleinere, zu zahlen für ihren Gesamtwert, aber für dieselbe Summe wird ein kleineres Quantum von Gebrauchswerten erhalten. In diesem Falle wird die Nachfrage nach leihbarem Geldkapital dieselbe bleiben, also der Zinsfuß nicht steigen, obgleich die Nachfrage nach der Ware im Verhältnis zu ihrer Zufuhr und daher der Preis der Ware gestiegen wäre. Der Zinsfuß kann nur berührt werden, sobald die Gesamtnachfrage nach Leihkapital wächst, und dies ist unter obigen Voraussetzungen nicht der Fall.

Die Zufuhr eines Artikels kann aber auch unter den Durchschnitt fallen, wie bei Mißernte in Korn, Baumwolle etc., und die Nachfrage nach Leihkapital wachsen, weil darauf spekuliert wird, daß die Preise noch höher steigen, und das nächste Mittel, sie steigen zu machen, darin besteht, einen Teil der Zufuhr dem Markt zeitweilig zu entziehn. Um aber die gekaufte Ware zu bezahlen, ohne sie zu verkaufen, wird vermittelst der kommerziellen "Wechselwirtschaft" Geld verschafft. In diesem Fall wächst die <531> Nachfrage nach Leihkapital, und der Zinsfuß kann steigen infolge dieses Versuchs, die Zufuhr der Ware zum Markt künstlich zu verhindern. Der höhere Zinsfuß drückt dann eine künstliche Verminderung der Zufuhr des Warenkapitals aus.

Andrerseits kann die Nachfrage nach einem Artikel wachsen, weil seine Zufuhr gewachsen ist und der Artikel unter seinem Durchschnittspreis steht.

In diesem Fall kann die Nachfrage nach Leihkapital dieselbe bleiben oder selbst fallen, weil mit derselben Geldsumme mehr Waren zu haben sind. Es könnte aber auch spekulative Vorratbildung eintreten, teils zur Benutzung des günstigen Moments für Produktionszwecke, teils in Erwartung späterer Preissteigerung. In diesem Fall könnte die Nachfrage nach Leibkapital wachsen, und der erhöhte Zinsfuß wäre so Ausdruck von Kapitalanlage in überschüssiger Vorratbildung von Elementen des produktiven Kapitals. Wir betrachten hier nur die Nachfrage nach Leihkapital, wie sie beeinflußt wird durch die Nachfrage und Zufuhr des Warenkapitals. Es ist schon früher auseinandergesetzt, wie der wechselnde Stand des Reproduktionsprozesses in den Phasen des industriellen Zyklus auf das Angebot von Leihkapital wirkt. Den trivialen Satz, daß die Marktrate des Zinsfußes bestimmt ist durch Zufuhr und Nachfrage von (Leih-)Kapital, wirft Overstone schlauerweise zusammen mit seiner eignen Annahme, wonach Leihkapital identisch ist mit Kapital überhaupt, und sucht dadurch den Wucherer in den einzigen Kapitalisten und sein Kapital in das einzige Kapital zu verwandeln.

In Zeiten der Klemme ist die Nachfrage nach Leihkapital Nachfrage nach Zahlungsmittel und weiter gar nichts; keineswegs Nachfrage nach Geld als Kaufmittel. Der Zinsfuß kann dabei sehr hoch gehn, einerlei ob reales Kapital - produktives und Warenkapital - im Übermaß vorhanden oder knapp. Die Nachfrage nach Zahlungsmitteln ist bloße Nachfrage nach Umsetzbarkeit in Geld, soweit die Kaufleute und Produzenten gute Sicherheiten bieten können; sie ist Nachfrage nach Geldkapital, soweit dies nicht der Fall ist, soweit also ein Vorschuß von Zahlungsmitteln ihnen nicht nur die Geldform gibt, sondern das ihnen mangelnde Äquivalent, in welcher Form es sei, zum Zahlen. Dies ist der Punkt, wo beide Seiten der landläufigen Theorie bei Beurteilung der Krisen recht und unrecht haben. Die da sagen, daß bloß Mangel an Zahlungsmitteln existiert, haben entweder bloß die Besitzer von bona fide Sicherheiten im Auge oder sind Narren, die glauben, es sei die Pflicht und in der Macht einer Bank, durch Papierzettel alle bankrotten Schwindler in zahlungsfähige solide Kapitalisten zu ver- <532> wandeln. Die da sagen, daß bloß Mangel an Kapital existiert, machen entweder bloße Wortklauberei, da ja in solchen Zeiten das inkonvertible Kapital infolge von Übereinfuhr und Überproduktion massenhaft vorhanden ist, oder sie sprechen bloß von jenen Kreditrittern, die nun in der Tat in Umstände gesetzt sind, wo sie nicht länger fremdes Kapital erhalten, um damit zu wirtschaften, und nun verlangen, die Bank solle ihnen nicht nur das verlorne Kapital zahlen helfen, sondern sie auch noch zur Fortsetzung des Schwindels befähigen.

Es ist Grundlage der kapitalistischen Produktion, daß das Geld als selbständige Form des Werts der Ware gegenübertritt oder daß der Tauschwert selbständige Form im Geld erhalten muß, und dies ist nur möglich, indem eine bestimmte Ware das Material wird, in deren Wert sich alle andern Waren messen, daß sie ebendadurch die allgemeine Ware, die Ware par excellence im Gegensatz zu allen andern Waren wird. Dies muß sich in doppelter Hinsicht zeigen, und namentlich bei kapitalistisch entwickelten Nationen, die das Geld in großem Maß ersetzen, einerseits durch Kredit-Operationen, andrerseits durch Kreditgeld. In Zeiten der Klemme, wo der Kredit einschrumpft oder ganz aufhört, tritt plötzlich Geld als einziges Zahlungsmittel und wahres Dasein des Werts absolut den Waren gegenüber. Daher die allgemeine Entwertung der Waren, die Schwierigkeit, ja die Unmöglichkeit, sie in Geld zu verwandeln, d.h. in ihre eigne rein phantastische Form. Zweitens aber: das Kreditgeld selbst ist nur Geld, soweit es im Betrage seines Nominalwerts absolut das wirkliche Geld vertritt. Mit dem Goldabfluß wird seine Konvertibilität in Geld problematisch, d.h. seine Identität mit wirklichem Gold. Daher Zwangsmaßregeln, Heraufsetzung des Zinsfußes etc., um die Bedingungen dieser Konvertibilität zu sichern. Dies kann mehr oder minder auf die Spitze getrieben werden durch falsche Gesetzgebung, beruhend auf falschen Theorien vom Geld und der Nation aufgedrängt durch das Interesse der Geldhändler, der Overstone und Konsorten. Die Grundlage aber ist gegeben mit der Grundlage der Produktionsweise selbst. Eine Entwertung des Kreditgeldes (gar nicht zu sprechen von einer übrigens nur imaginären Entgeldung desselben) würde alle bestehenden Verhältnisse erschüttern. Der Wert der Waren wird daher geopfert, um das phantastische und selbständige Dasein dieses Werts im Geld zu sichern. Als Geldwert ist er überhaupt nur gesichert, solange das Geld gesichert ist. Für ein paar Millionen Geld müssen daher viele Millionen Waren zum Opfer gebracht werden. Dies ist unvermeidlich in der kapitalistischen Produktion und bildet eine ihrer Schönheiten. In frühern Produktionsweisen kommt dies nicht vor, weil bei der engen Basis, auf der <533> sie sich bewegen, weder der Kredit noch das Kreditgeld zur Entwicklung kommt. Solange der gesellschaftliche Charakter der Arbeit als das Gelddasein der Ware und daher als ein Ding außer der wirklichen Produktion erscheint, sind Geldkrisen, unabhängig oder als Verschärfung wirklicher Krisen, unvermeidlich. Es ist andrerseits klar, daß, solange der Kredit einer Bank nicht erschüttert ist, sie durch Vermehrung des Kreditgelds in solchen Fällen die Panik lindert, durch dessen Einziehung sie aber vermehrt. Alle Geschichte der modernen Industrie zeigt, daß Metall in der Tat nur erheischt wäre zur Saldierung des internationalen Handels, sobald dessen Gleichgewicht momentan verschoben ist, wenn die inländische Produktion organisiert wäre. Daß das Inland schon jetzt kein Metallgeld bedarf, beweist die Suspension der Barzahlungen der sog. Nationalbanken, zu der, als zum einzigen Hilfsmittel, in allen extremen Fällen gegriffen wird.

Bei zwei Individuen wäre es lächerlich, zu sagen, daß im Verkehr untereinander beide die Zahlungsbilanz gegen sich haben. Wenn sie wechselseitig Schuldner und Gläubiger voneinander sind, ist es klar, daß, wenn ihre Forderungen sich nicht ausgleichen, für den Rest der eine der Schuldner des andern sein muß. Bei Nationen ist dies keineswegs der Fall. Und daß es nicht der Fall ist, ist von allen Ökonomen in dem Satz anerkannt, daß die Zahlungsbilanz für oder gegen eine Nation sein kann, obwohl ihre Handelsbilanz sich schließlich ausgleichen muß. Die Zahlungsbilanz unterscheidet sich dadurch von der Handelsbilanz, daß sie eine in einer bestimmten Zeit fällige Handelsbilanz ist. Was nun die Krisen tun, ist, daß sie die Differenz zwischen der Zahlungsbilanz und der Handelsbilanz in eine kurze Zeit zusammendrängen; und die bestimmten Zustände, die sich bei der Nation entwickeln, bei der die Krise ist, bei der daher jetzt der Zahlungstermin eintritt, - diese Zustände bringen schon eine solche Kontraktion der Ausgleichungszeit mit sich. Erstens das Wegsenden von Edelmetallen; dann das Losschlagen konsignierter Waren; das Exportieren von Waren, um sie loszuschlagen oder um im Inland Geldvorschüsse darauf aufzutreiben; das Steigen des Zinsfußes, das Aufkündigen der Kredite, das Fallen der Wertpapiere, das Losschlagen fremder Wertpapiere, die Attraktion von fremdem Kapital zur Anlage in diesen entwerteten Wertpapieren, endlich der Bankrott, der eine Masse Forderungen ausgleicht. Es wird dabei oft noch Metall versandt nach dem Land, wo die Krise ausgebrochen, weil die Wechsel darauf unsicher, also die Zahlung am sichersten in Metall erfolgt. Es kommt dazu der Umstand, daß mit Bezug auf Asien alle kapitalistischen Nationen meist gleichzeitig, direkt oder indirekt, seine Schuldner sind. Sobald diese verschiednen Umstände auf die andre beteiligte Nation ihre <534> volle Wirkung üben, tritt auch bei ihr Gold- oder Silberexport, kurz der Zahlungstermin ein, und dieselben Phänomene wiederholen sich.

Bei dem kommerziellen Kredit geht der Zins, als Unterschied des Kreditpreises vom Barpreise, nur soweit in den Warenpreis ein, als die Wechsel längre als gewöhnliche Laufzeit haben. Andernfalls nicht. Und dies erklärt sich daraus, daß jeder mit der einen Hand diesen Kredit nimmt und ihn mit der andern gibt. {Dies stimmt nicht mit meiner Erfahrung. - F. E.} Soweit aber der Diskonto in dieser Form hier eingeht, ist er nicht durch diesen kommerziellen Kredit, sondern durch den Geldmarkt geregelt.

Wären Nachfrage und Angebot von Geldkapital, die den Zinsfuß bestimmen, identisch mit Nachfrage und Angebot von wirklichem Kapital, wie Overstone behauptet, so müßte, je nachdem man verschiedne Waren oder dieselbe Ware in verschiednen Stadien (Rohstoff, Halbfabrikat, fertiges Produkt) betrachtet, der Zins gleichzeitig niedrig und hoch sein. 1844 schwankte der Zinsfuß der B. v. E. zwischen 4% (von Januar bis September) und 21/2 und 3% von November bis Jahresschluß. 1845 war er 21/2, 23/4, 3% von Januar bis Oktober, zwischen 3 und 5% in den letzten Monaten. Der Durchschnittspreis von fair Orleans Baumwolle war 1844 61/4 d. und 1845 47/8 d. Am 3. März 1844 war der Baumwollvorrat in Liverpool 627.042 Ballen und am 3. März 1845 773.800 Ballen. Nach dem niedrigen Preis der Baumwolle zu schließen, mußte der Zinsfuß 1845 niedrig sein, was er in der Tat während des größten Teils dieser Zeit war. Aber nach dem Garn zu schließen, hätte er hoch sein müssen, denn die Preise waren relativ und die Profite absolut hoch. Aus Baumwolle zu 4 d. das Pfund konnte 1845 mit 4 d. Spinnkosten ein Garn gesponnen werden (Nr. 40 gut secunda mule twist), das dem Spinner also 8 d. kostete und das er September und Oktober 1845 zu 101/2 oder 111/2 d. per Pfund verkaufen konnte. (S. Aussage von Wylie weiter unten.)

Die ganze Sache kann dadurch zur Entscheidung gebracht werden:

Nachfrage und Angebot von Leihkapital wäre identisch mit Nachfrage und Angebot von Kapital überhaupt (obgleich diese letztere Phrase absurd ist; für den Industriellen oder Kaufmann ist die Ware eine Form seines Kapitals, aber er verlangt doch nie Kapital als solches, sondern stets nur diese spezielle Ware als solche, kauft und zahlt sie als Ware, Korn oder Baumwolle, unabhängig von der Rolle, die sie im Kreislauf seines Kapitals einzunehmen hat), wenn es keine Geldverleiher gäbe und statt deren die verleihenden Kapitalisten im Besitz von Maschinerie, Rohstoff etc. wären und sie diese ausliehen oder vermieteten, wie jetzt Häuser, an die industriellen <535> Kapitalisten, die selbst Eigner eines Teils dieser Gegenstände sind. Unter solchen Umständen wäre die Zufuhr von Leihkapital identisch mit Zufuhr von Produktionselementen für den industriellen Kapitalisten, von Waren für den Kaufmann. Es ist aber klar, daß dann die Teilung des Profits zwischen Leiher und Borger zunächst ganz abhängen würde von dem Verhältnis, worin dies Kapital geliehen ist und worin es Eigentum dessen, der es anwendet.

Nach Herrn Weguelin (B.A. 1857) ist der Zinsfuß bestimmt durch "die Masse des unbeschäftigten Kapitals" (252); ist "nur ein Index der Masse des unbeschäftigten Kapitals, das Anlage sucht" (271); später heißt dies unbeschäftigte Kapital "floating capital" (485) und darunter versteht er "Noten der Bank von England und andre Zirkulationsmittel im Lande; z.B. die Noten der Provinzialbanken und die im Lande vorhandne Münze ... ich schließ unter floating capital auch die Reserven der Banken ein" (502, 503) und später auch Barrengold (503). So sagt derselbe Weguelin, daß die Bank von England großen Einfluß auf den Zinsfuß hat zu Zeiten, "wo wir" (die B. v. E.) "tatsächlich den größten Teil des unbeschäftigten Kapitals in unsrer Hand haben" (1198), während nach obigen Aussagen des Herrn Overstone die Bank von England "kein Platz für Kapital ist". Ferner sagt Weguelin:

"Nach meiner Ansicht wird die Diskontorate reguliert durch die Menge des unbeschäftigten Kapitals im Lande. Die Menge des unbeschäftigten Kapitals ist repräsentiert durch die Reserve der B. v. E., die tatsächlich eine Metallreserve ist. Wenn also der Metallschatz vermindert wird, vermindert dies die Menge des unbeschäftigten Kapitals im Lande und steigert also den Wert des noch vorhandnen Rests." (1258.)

J. Stuart Mill sagt 2102:

"Die Bank ist genötigt, um ihr banking department solvent zu erhalten, ihr möglichstes zu tun, die Reserve dieses Departements zu füllen; sobald sie also findet, daß ein Abfluß eintritt, muß sie sich eine Reserve sichern und entweder ihre Diskontierungen einschränken oder Wertpapiere verkaufen."

Die Reserve, soweit bloß das banking department betrachtet wird, ist Reserve nur für die Depositen. Nach den Overstones soll das banking department bloß als Bankier handeln, ohne Rücksicht auf die "automatische" Notenausgabe. Aber in Zeiten wirklicher Klemme hat das Institut, unabhängig von der Reserve des banking department, die nur aus Noten besteht, ein sehr scharfes Auge auf den Metallschatz und muß es haben, wenn es nicht fallieren will. Denn im selben Maß wie der Metallschatz schwindet, schwindet auch die Reserve von Banknoten, und niemand sollte dies besser wissen als Herr Overstone, der dies eben durch seinen Bankakt von 1844 so weise eingerichtet hat.


Fußnoten

(9) B.A. 1857, Aussagen von Twells, Bankier: 4516. "Als Bankier machen Sie Geschäfte in Kapital oder in Geld? - Wir handeln in Geld." - 4517. "Wie werden die Depositen in Ihrer Bank eingezahlt? - In Geld." - 4518. "Wie werden sie ausgezahlt? - In Geld. - [4519.] "Kann man also sagen, daß sie etwas andres sind als Geld? - Nein."

Overstone (siehe Kap. XXVI) verwirrt sich fortwährend zwischen "capital" und "money". "Value of money" <"Wert des Geldes"> heißt bei ihm auch Zins, aber soweit er bestimmt ist durch die Masse des Geldes; "value of capital" <"Wert des Kapitals"> soll der Zins sein, soweit er bestimmt wird durch die Nachfrage nach produktivem Kapital und durch den Profit, den es abwirft. Er sagt: 4140. "Der Gebrauch des Wortes Kapital ist sehr gefährlich." - 4148. "Die Goldausfuhr aus England ist eine Verminderung der Geldmenge im Lande, und diese muß natürlich vermehrte Nachfrage im Geldmarkt überhaupt verursachen" (hiernach also nicht im Kapitalmarkt). - 4112. "Im Maß, wie das Geld aus dem Lande geht, wird die Menge im Lande vermindert. Diese Verminderung der im Lande bleibenden Menge erzeugt einen gesteigerten Wert dieses Geldes." (Dies bedeutet ursprünglich in seiner Theorie eine durch die Kontraktion der Zirkulation verursachte Wertsteigerung des Geldes als Geld, im Vergleich zu den Warenwerten; wo also diese Steigerung im Wert des Geldes = Fall im Wert der Waren. Da aber in der Zwischenzeit selbst für ihn unwidersprechlich nachgewiesen, daß die Masse des zirkulierenden Geldes nicht die Preise bestimmt, so ist es jetzt die Verminderung des Geldes als Umlaufsmittel, die seinen Wert als zinstragendes Kapital und damit den Zinsfuß steigern soll.) "Und dieser gesteigerte Wert des noch übrigen Geldes tut dem Abfluß Einhalt und dauert fort, bis er soviel Geld zurückgebracht hat, als nötig ist, das Gleichgewicht wiederherzustellen." - Die Fortsetzung der Widersprüche des Overstone weiter unten. <=

(10) Hier tritt nun die Konfusion ein, daß dies beides "Geld" ist, das Depositum als Anspruch auf Zahlung von seiten des Bankiers und das deponierte Geld in der Hand des Bankiers. Bankier Twells, vor dem Bankausschuß von 1857, nimmt folgendes Beispiel: "Ich fange mein Geschäft an mit 10.000 Pfd.St. Mit 5.000 Pfd.St. kaufe ich Waren und nehme sie auf mein Lager. Die andern 5.000 Pfd.St. deponiere ich bei einem Bankier, um dagegen nach Bedarf zu ziehn. Aber ich betrachte das Ganze immer noch als mein Kapital, obgleich 5.000 Pfd.St. davon sich in der Form von Depositum oder Geld befinden." (4528.) Hieraus entspinnt sich nun folgende artige Debatte: 4531. "Sie haben also Ihre 5.000 Pfd.St. in Banknoten jemand anders gegeben? - Jawohl." - 4532. "Dann hat dieser 5.000 Pfd.St. Depositen? - Jawohl." - 4533. "Und Sie haben 5.000 Pfd.St. Depositen? - Ganz richtig." - 4534. "Er hat 5.000 Pfd.St. in Geld, und Sie haben 5.000 Pfd.St. in Geld? - Jawohl." - 4535. "Aber es ist schließlich nichts als Geld? -Nein." - Die Konfusion rührt z.T. daher: A, der die 5.000 Pfd.St. deponiert hat, kann dagegen ziehn, verfügt über sie, so gut als wenn er sie noch hätte. Sie fungieren soweit für ihn als potentielles Geld. In allen Fällen, wo er dagegen zieht, vernichtet er aber sein Depositum pro tanto. Zieht er wirkliches Geld heraus und ist sein Geld schon weiter verliehen, so wird er nicht mit seinem eignen Geld bezahlt, sondern mit von einem andern deponierten Geld. Zahlt er eine Schuld an B mit einem Scheck auf seinen Bankier und deponiert B diesen Scheck bei seinem Bankier und hat der Bankier von A ebenfalls einen Scheck auf den Bankier von B, so daß die beiden Bankiers nur die Schecks austauschen, so hat das von A deponierte Geld zweimal Geldfunktion verrichtet; erstens in der Hand dessen, der das von A deponierte Geld erhalten hat; zweitens in der Hand von A selbst. In der zweiten Funktion ist es Ausgleichung von Schuldforderung (die Schuldforderung des A auf seinen Bankier und die Schuldforderung des letztem auf den Bankier von B) ohne Dazwischenkunft von Geld. Hier wirkt das Depositum zweimal als Geld, nämlich als wirkliches Geld und sodann als Anspruch auf Geld. Bloße Ansprüche auf Geld können Geldstelle vertreten nur durch Ausgleichung von Schuldforderungen. <=